Porträt Horst Schäfer

arte

Mystery Road. Verschwunden im Outback

von Rachel Perkins u.a. – Australien 2018 /2020 – Staffel 1 und 2 mit jeweils sechs Folgen a’ 50 Min.- arte

Es gibt Serien, die ohne ihren Schauplatz und das dazugehörige Ambiente nicht denkbar sind. „NYPD“ zum Beispiel. Da denkt man sofort an die Straßen von Manhattan, an die Gesetze der multikulturellen Großstadt und auf Aufeinandertreffen von Cops und Verbrechern, an Rassenhass und Gang-Kämpfe. Oder „Mord in Mittsommer“, deren Handlung ohne die Besonderheiten der Fährverbindungen von Sandhamn aus, der äußeren Schäreninsel Sandön östlich von Stockholm, nicht denkbar wäre.

In diese Serie spielt die Weite des Landes, die endlos langen Wege durch unwirtliche Landschaften, die verstreuten, dünn besiedelten Wohnsiedlungen, die Abgeschiedenheit der Leute, deren Wortkargheit und das Misstrauen gegenüber Fremden eine bedeutende Rolle.

Protagonist der Serie ist der indigene Detective Jay Swan. Aus der Großstadt kommend soll er gemeinsam mit der weißen Polizeichefin Emma James in Patterson, einer abgelegenen Kleinstadt im Nordwesten Australiens, das Verschwinden zweier Arbeiter auf einer Viehzuchtstation aufklären. Was zunächst wie ein Routinefall aussieht, entpuppt sich als ein undurchdringliches Geflecht aus Familienzwist, Drogenhandelt und Pädophilie. Und das alles vor dem Hintergrund von Wirtschaftskriminalität um Wassermangel. Für zusätzlichen Konflikte sorgen die ständigen Auseinandersetzungen mit den Vertretern der Aborigines-Gemeindevertretung. Trotz diverser Spannungen gelingt es Swan und James, den Fall aufzuklären; mit einer nicht erwartenden Auflösung.

Spannend auch die Beziehung zwischen dem unbequemen, wortkargen Jay Swan und der eigenwilligen, sarkastischen Emma James, deren spröder Charakter im Verlaufe des Geschehens mehr und mehr in den Mittelpunkt der Handlung gerät und zum eigentlichen Star einer emotional fesselnden Miniserie mit grandiosen Darstellern in einem atemberaubenden Ambiente.

Erwähnenswert noch sind zwei Nebenfiguren: Mary Swan, die geschiedene Frau, und Crystal Swan, ihre gemeinsame, heranwachsende Tochter. Das Gefüge zwischen den Dreien verleiht dem elliptisch konstruierten Spannungsbogen einen eigenwilligen Reiz, denn Jay ist ein schroffer Lonesome-Detective, ein Held wie aus einem Italo-Western, dem der Job immer wichtige war als seine Rolle als Ehemann und Vater.

Die zweite Staffel führt Swan wiederum in eine abgelegene Kleinstadt; diesmal nach Gideon, eine Kleinstadt im äußersten Nordwesten Australiens, wo eine kopflose Leiche gefunden wurde. Swan vermutet, dass der Mord auf das Konto der Drogenkartelle geht, gegen die er ermittelt. Im Ort herrscht eine Krisenstimmung. Die schwedische Archäologin Sandra Elmquist führt dort Ausgrabungen durch, gegen die die Aborigine ein Protestcamp errichtet haben. Fran Davis, die Polizistin des Ortes, soll Jay bei seinen Recherchen unterstützen. Als Die Archäologin eine Tasche mit menschlichen Knochen entdeckt legt sie diese vor einer Kirche ab, da der Fund das Ende ihrer Arbeit bedeuten könnte. Fran vermutet, dass es sich bei der Toten um ihre seit Jahren verschwundene Freundin Zoe handeln könnte.

Swan geht währenddessen gegen das örtliche Transportunternehmen und deren Betreiber vor. Unter der Deckung des örtlichen Polizeichefs hat dort die Drogenmafia eine Zentrale errichtet. Einer der Beteiligten hat ausgerechnet ein Verhältnis zu Swans geschiedener Frau Mary, die dort lebt und ein neues Leben beginnen will.

Alles hat mit allem zu tun. Es ist nicht einfach für Swan, da er von allen Seiten bedrängt und behindert wird. Fran Davis erweist sich dabei als eine zuverlässige Partnerin, auch wenn sie anfangs mit dem unbequemen, wortkargen Swan ihre Probleme hatte. Dessen doppelte Identität als Polizist und Aborigine führt immer wieder zu Spannungen zwischen den Einheimischen und den außenstehenden Farmern.

Der australische Schauspieler Aaron Pedersen ist die ideale Besetzung des Protagonisten der Mystery Road-Serie. Zuvor hatte er diesen Charakter bereits 2013 in dem gleichnamigen Spielfilm verkörpert. Im Part 1 hat eine gleichgewichtige Partnerin/Gegenspielerin Judy Davis, eine der vielseitigsten Schauspielerinnen des Landes. Sie wurde mehrfach mit nationalen und internationalen Preisen und Auszeichnungen bedacht.

In Part 2 gibt es ein überraschendes Wiedersehen mit der Schwedin Sofia Helin, die in der TV-Krimiserie „Die Brücke – Transit in den Tod“ die Hauptrolle einer Kommissarin mit autistischen Zügen spiele. Eine Rolle, die nachhaltig in Erinnerung ist. Hier spielt sie die Archäologin, die sich gegen viele Widerstände erfolgreich behaupten muss. In einer Sequenz sieht man sie sogar unbeschwert lachen.