Porträt Horst Schäfer
Wertung: kann man sich ansehen

Netflix

Die Bande aus der Baker Street

von Tom Bidwell u.a. – GB 2021 – 8 x 60 Min. – netflix

Oder: „Es waren einmal Fünf Freunde“. Die britische Fernsehserie ist ein Coming-of-Age-Drama als Kinderbandenfilm für Erwachsene. Zur Gang gehören die Londoner Straßenkids Bea, ihre jüngere Schwester Jessie und die beiden Freunde Spike und Billy. Die Teenager kennen sich aus dem Waisenhaus und leben in einem unwirtlichen Kellergewölbe unter einem Pub in einem Problemviertel. Von außen kommt der piekfeine Leopold hinzu. Er ist ein Prinz und der jüngste Sohn der Königin. Er ist wegen seiner Bluterkrankheit im Palast eingesperrt und nutzt eine Chance, unerkannt unter Sherlocks jungen Helfern zu sich selbst finden. Es ist allerdings nicht einfach, sich zu integrieren.

In dem literarischen Kosmos des „Sherlock“-Gesamtwerks tauchten die „schmutzigen kleinen Schurken“ hin und wieder mal als Ermittlungs- und Erfüllungsgehilfen auf. Hier aber sind sie unmittelbar präsent und haben es mit realen und übernatürlichen Gegenspielern zu tun. Ein Riss in der Welt droht alles Sein zu verschlingen. Düstere Mächte beherrschen mehr und mehr die Menschen und ihre Umgebung. Die Gewalt macht sich auf den Straßen breit. Nur das konzentrierte Vorgehen Sherlocks der coolen und furchtlosen kann das verhindern.

Entstanden ist ein Psycho-Horror-Krimi-Mystery-Zombie-Gothic-Grusel-Gemischtwarenangebot. Die Zutaten könnten von Edgar Allen Poe, Bram Stoker, Arthur Conan Doyle und Agatha Christie kommen; am Arrangement waren Alfred Hitchcock, George A. Romero und M. Nigth Shyamalan beteiligt. Ein rasanter und aufschlussreicher Ritt durch Stile und Epochen der Filmgeschichte sozusagen

Die der heutigen Zeit angepasste Musik ist irritierend für einen Film der im viktorianischen London spielt. Dafür treffend in Atmosphäre und Ausstattung. Stilsicher und milieudicht wie “Peaky Blinders“. Das Geschehen ist spannend inszeniert, witzig und fintenreich. Harte Schnitte beschleunigen das Geschehen, bieten allerdings nur eine uninspirierte Gegenüberstellung von Adel und Armut.

Über Holmes wird viel geredet. Er ist ein kaputter Heroin-Junkie mit unangenehmem Auftreten; eine fiktive Figur, die beliebig geformt und deformiert werden kann. In Folge Fünf taucht er erstmals persönlich auf mit einer Rückblende auf einen alten Fall. Danach wird er immer präsenter und dominanter. Doktor Watson ist ein Dandy, elegant und schwarz. Erst am Ende erfährt man, warum er sich bislang so rätselhaft und widersprüchlich verhalten hat.

Die überbordenden visuellen Bilder bleiben nachhaltig in Erinnerung, die einzelnen Charaktere hingegen nicht. Der Gesamteindruck der Serie ist zwiespältig.