Porträt Horst Schäfer
Wertung: sollte man gesehen haben

Netflix

The Woman in the Window

von Joe Wright – USA 2021 - 100 Min. – netflix

Die Frau am Fenster: das ist die alleinstehende ehemalige Kinderpsychologin Anna Fox. Sie lebt allein in ihrem feudalen Stadthaus in Harlem, das sie seit Jahren nicht mehr verlassen hat. Ihre Zeit verbringt sie damit, online mit Fremden zu chatten. Sie leidet an Agoraphobie, telefoniert mit ihrem ehemaligen Ehemann oder ihrer Tochter, trinkt viel, schluckt Antidepressiva und schaut sich alte Filme wie Noir-Klassiker an. Zu dem einzigen Mieter, dem eigenwilligen Single David, hat sie kaum Kontakt. Anna sitzt gerne am Fenster und beobachtet ihre Nachbarn im Haus gegenüber. Neu hinzugezogen ist die Familie Russel aus Boston. Der 15-jährige Ethan macht einen Antrittsbesuch; und zwischen den beiden entsteht spontan ein einvernehmliches Verhältnis. Wenig später taucht dann dessen Mutter Jane bei ihr auf. Kurz daraus folgt auch der Ehemann und Vater Alistair, der weitere Kontakte strikt unterbinden will und Anna unter Druck setzt. Daraufhin intensiviert sie ihre Beobachtung mittels einer Kamera, mit der sie sich direkt in die Wohnung der Russels zoomt und so zufällig Zeugin eines Gewaltverbrechens wird. Nach einem heftigen Streit tötet Alistair Jane mit einem Messer. Anna verständigt mit einem Notruf die Polizei, doch niemand will ihr glauben, da ihr psychischer Zustand durch häufige Panikanfälle äußerst labil, sie an Wahnvorstellungen leidet und in ihren Wahrnehmungen gestört ist. Anna sieht sich gezwungen, eigene Nachforschungen anzustellen und löst damit gewaltgeladene Folgeereignisse aus. Eine blutige Spur dieses paranoiden Höllentrips führt dabei auch unmittelbar in Annas Vergangenheit.

Der Plot des Films ist nahe der Grundkonstruktion des Klassikers von Alfred Hitchcock „Das Fenster zum Hof“. In einigen Kameraeinstellungen werden diese Bezüge virtuos zitiert. In anderen Szenen wird auf weitere Filme von ihm verwiesen. Der Film von Joe Wright gleicht einem Cocktail mit bekannten und bewährten Zutaten, der frisch gemixt bekömmlich serviert wird. Die düstere atmosphärische, expressionistische Stimmung sowie das effektvolle Sound-Design schaffen den beklemmenden Gesamteindruck eines filmgeschichtlich aufschlussreichen Thrillers, dessen Auflösung anders als erwartet verläuft. Eine sehenswerte starbesetzte Hitchcock-Hommage passend zu den aktuellen Lockdown-Albträumen.