Porträt Horst Schäfer
Wertung: hervorragend

Prime Video

The Underground Railroad

von Barry Jenkins – USA 2021 – 10 x ca. 55 Min. – Amazon Prime.

Die Miniserie über die Untergrundgruppierung von Sklaverei-Gegnern basiert auf den gleichnamigen Bestseller von Colson Whitehead, der 2017 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Die Underground Railroad war ein informelles Schleusernetzwerk und gleichzeitig ein Codewort, das für dunkelhäutige Sklaven die Flucht aus den Südstaaten der USA in die sicheren Nordstaaten oder in die Provinz Kanada organisierte. Über geheime Routen und mit Unterstützung von Fluchthelfern, darunter auch viele Weiße, gelang es, zwischen 1810 und 1850 etwa 100.000 von ihnen zu befreien. Als Transportmittel wurden unter anderem Pferdewagen mit doppelten Boden eingesetzt. Als Zwischenstationen boten ihnen teils bewohnte, teils verlassene Häuser und Scheunen Schutz. In manchen Fällen verfügten diese Häuser über Geheimgänge oder falschen Tapetenwänden.

Whiteheass Roman nimmt den authentischen Eisenbahner-Code wörtlich und erdachte echte Züge und ein unter den Südstaaten existierendes, weitverzweigtes Schienensetz mit unterirdischen Bahnstationen.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht die junge Sklavin Cora. Das Leben auf einer Baumwollplantage im Antebellum South in Georgia ist grausam. Sie kann die Misshandlungen und Brutalitäten der Besitzer nicht länger ertragen und will weg von dort. Als Caesar, ein Neuankömmling aus Virginia, ihr von der „Underground Railroad“ erzählt beschließt sie, ein großes risiko einzugehen und zu fliehen. Auf einer ständigen Flucht über Tennessee Richtung Norden wird Cora von dem Kopfgeldjäger Ridgeway verfolgt, den der „Amerikanische Imperativ“ und persönliche Rachegelüste antreiben. Begleitet wird er von dem Sklavenjungen Homer, der ihn als Freund ansieht und ihm loyal ergeben ist.

Die einzelnen Episoden der Serie folgen dem Verlauf einer außergewöhnlichen Reise, die von der Odyssee über Gulliver bis hin zu Alice im Wunderland führen. Ausgesuchte Bibelzitate dienen dabei als Wegweiser. Jede Folge wartet mit neuen Überraschungen auf; sei es bei den unterschiedlichen Protagonisten oder dem Ambiente der Schauplätze mit ihren harten Kontrasten von Dunkel und Hell sowie Kerzenlicht und Strombeleuchtung.

Überragend ist die schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin Thuso Mbedu: sie ist fast in jeder Szene gegenwärtig und meistert souverän ihren Part von dem Heranwachsen eines duckmäuserischen und verängstigten kleinen Mädchens zu einer selbstbewussten, resoluten und handlungsstarken jungen Frau.