Sophie: Ein Mord in West Cork
von John Dower – UK 2021 – 3 x 50 Min. – netflix
Am 23. Dezember 1996 - also vor ca. 25 Jahren – wurde die französische TV-Produzentin Sophie Toscan du Plantier im Alter von 39 Jahren auf dem Grundstück ihres abgelegenen Ferienhauses bei Schull in West Cork brutal ermordet, ihr Gesicht zertrümmert und bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Der bis heute nicht aufgeklärte Mordfall liegt wie eine dunkle Wolke auf der irischen Halbinsel. Verdächtigt wird seit 25 Jahren der Ex-Journalist Ian Bailey, der aber in Irland nicht verurteilt wurde und heute dort noch lebt. Ein vor zwei Jahren in seiner Abwesenheit ergangenes Verfahren vor einem französischen Gericht endete mit einem Schuldspruch und einem Urteil, das aus rechtlichen Gründen nicht vollstreckt werden kann.
Die Ermordung der attraktiven und erfolgreichen Frau hat das mediale Interesse an dem Fall bis heute wachgehalten. Neben dieser Serie hat sich auch der irische Regisseur Jim Sheridan mit dem Fünfteiler Murder at the Cottage des Stoffes angenommen. Widersprüchliche Zeugenaussagen und irreführende Indizien sowie das unprofessionelle Vorgehen der örtlichen irischen Polizei liefern sind hervorragend geeignet für einen spektakulären Krimi-Plot. Sophies brüchige Ehe mit einem Filmproduzenten und Liebesaffären in ihrem Ferienhaus gehören ebenso zum Bild eines Gesellschaftsdramas wie das schillernde Leben des englischen Investigativ-Journalisten Ian Bailey, der mit seinem Geltungsdrang und abgründigem Taktieren die Öffentlichkeit polarisiert. Der andauernde globale Hype lässt Land und Leute nicht zur Ruhe kommen. Das beschauliche Küstendorf ist mittlerweile zu einem begehrten Ort für Sensations-Touristen geworden; die Doku-Serien werden diesen Trend noch bestärken. Einen zusätzlichen Anreiz bietet die urbane Three Castle Head-Mythologie: eine beeindruckende, nahegelegene Schlossruine mit legendären Spukgestalten, denen Sophie begegnet sein soll.