Porträt Horst Schäfer
Wertung: hervorragend

arte

Diener des Volkes

mit Wolodymyr Selenskyi – Ukraine 2015 – 23 x 30 Min. – arte

In dieser Serie sieht man den Schauspieler Selenskyi in der Rolle des Ukraine-Präsidenten. In der heutigen Alltagsrealität ist er ein Präsident, der früher ein Schauspieler und Komiker war.

Der unterbezahlte Geschichtslehrer Wassyl Petrowitsch Holoborodko, der an einer gewöhnlichen Schule in Kiew unterrichtet, hat sich vor seinen Schülern über die Korruption und Misswirtschaft aufgeregt. Einer hat seine Wutrede aufgenommen und das Video ins Netz gestellt. Es ist gerade Wahlkampf; der Lehrer wird zur Kandidatur ermutigt und gewinnt.

Und nun muss er nicht nur die Führungskräfte des Landes austauschen, sondern sich auch seinen Familienangehörigen und Freunden gegenüber durchsetzen, die sich von seiner Position ihre eigenen Vorteile versprechen. Im politischen Alltag hat er es mit diversen Oligarchen-Intrigen, den Gelüsten des Machtapparats und der Abwendung des Staatsbankrotts zu tun. Hinzu kommen noch die Begegnungen mit ausländischen Staatsgästen und die Auseinandersetzungen mit den kritischen Medien.

Die äußerst unterhaltsame, witzige und satirische Serie mit amüsanten Spitzen gegen Lukaschenko und Putin entstand als Reaktion auf die pro-europäischen Proteste auf dem Maidan in Kiew. „Diener des Volkes“ war dann auch der Name der Partei, die Selenskyi zum Präsidenten der Ukraine machte. Wobei die Förderer seiner Person und seine Hintermänner, nicht frei von eigenen Interessen sind. Eine unrühmliche Rolle spielt dabei der machtgierige Oligarch Ihor Kolomoiskij, der den Aufstieg Selenskyis finanzierte.

Die darauffolgenden Ereignisse sind hinreichend bekannt. Beklemmend ist der Vergleich der Bilder aus der Serie mit den tagesaktuellen Aufnahmen des Kriegsschauplatzes Kiew: hier das beschauliche, anschauliche und unbeschwerte Großstadtleben; dort die zerbombten Häuser mit Toten und Verletzen.