Porträt Horst Schäfer
Wertung: hervorragend

Babylon – Rausch der Ekstase

von Damien Chazelle – USA 2022 - 188 Min.

Ein klassischer „Film im Film“, der in einer spektakulären Inszenierung von Damien Chazelle die aufregenden Jahrzehnte Hollywoods in der Übergangsphase vom Stumm- zum Tonfilm zeigt. Der amerikanisch-französische Regisseur hat bereits mit „La La Land“ seine Liebe zum Kino ausreichend und überzeugend unter Beweis gestellt. „Babylon“ ist eine visuell überbordende Hommage an die frühe Ära Hollywoods, an eine mutige, freche und kompromisslose Epoche der Filmgeschichte.

Es sind drei Schicksale, mit denen er die Zuschauer durch den chaotischen Studiobetrieb Hollywoods führt. Protagonist ist der junge Manny, ein Sohn mexikanischer Einwanderer, der als Botenjunge beginnt und von einer Karriere träumt. Schon sehr früh lernt er die attraktive, aufstrebende Nellie kennen, die um jeden Preis ein Filmstar werden will und es durch aufsehenerregende Auftritte bei den vielen exzessiven Studiopartys auch schafft. Dritter in dieser Konstellation ist der Leinwand-Star Jack, der die Frauen und den Alkohol liebt und meist volltrunken seine Tage und Nächte durchlebt.

Manny schafft an Jacks Seite den Aufstieg zum Studioleiter. Doch das von ihm ersehnte Zusammensein mit Nellie endet mit einer großen Enttäuschung. Ebenso tragisch ist auch das Finale von Jack.

Nicht alle Charaktere sind fiktiv. Es gibt zahlreiche Andeutungen, Anspielungen und Zitate, die auf bekannte Leinwand-Idole, Regisseure, Produzenten und deren PR-Umfeld verweisen. Prägnantes Beispiel dafür ist Brad Pitt als Jack Conrad, dessen Darstellung sich an Clark Gable und Douglas Fairbanks orientiert.

Nach einem Zeitsprung in die Nachkriegszeit sieht man Manny mit Frau und Tochter bei einem Studiobesuch, um ihnen seinen früheren Arbeitsplatz zu zeigen. Allein im Kino sitzend sieht er „Singing in the Rain“ und erinnert sich an all die großen Hollywood-Filme, die Filmgeschichte geschrieben haben und mit kurzen Ausschnitten in einer finalen Kompilation eindrucksvoll und emotional ergreifend montiert sind. Manny sah sich immer nur als „kleines Rädchen“ im Studioalltag. Das hier gewählte „The End“ veranschaulicht, dass ohne all diese „kleinen Rädchen“ die Maschinerie der Traumfabrik Hollywood nicht funktioniert hätte.