Porträt Horst Schäfer
Wertung: hervorragend

Netflix

Der denkwürdige Fall des Mr Poe

von Scott Cooper – USA 2022 – 128 Min. – netflix

Im Jahr 1830. In der US-Militärakademie in West Point wird eines Tages ein Kadett namens Fry tot aufgefunden, der scheinbar Selbstmord begangen hat. Da es aber Anzeichen für ein Verbrechen gibt, beauftragt man den pensionierten New Yorker Polizisten August Landor mit der Untersuchung. Ein junger Kadett namens Edgar Allen Poe hilft ihm bei den schwierigen Ermittlungen. Die Leitung der Akademie legt Wert auf Diskretion. Doch als weitere Morde im Umfeld der Schule begangen werden, eskaliert die Situation. Bei der Aufklärung der Hintergründe und Motive kommt es zu einem unvorhergesehenen Finale.

Mit dem authentischen Edgar Allen Poe hat dieser Film nichts zu tun. Die Vorlage ist der Roman „The Pale Blue Eye“ von Louis Bayard aus dem Jahr 2006. Protagonist der Filmhandlung ist allerdings nicht die Titelfigur, sondern August Landor. Dessen Rolle wurde mit Christian Bale besetzt, der sich (leider) hinter einem üppigen und struppigen Schnauzbart versteckt. Harry Melling, bekannt aus den „Harry Potter“-Filmen, spielt den jungen, etwas sperrigen Edgar Allen Poe. In Nebenrollen sind u.a. Gillian Anderson, Charlotte Gainsbourg, Toby Jones und Robert Duvall zu sehen.

Neben den darstellerischen Leistungen besonders beeindruckend ist die visuelle Umsetzung der Story: der Kontrast zwischen der harten, winterlichen Stimmung draußen und der warmen Kerzenschein-Atmosphäre in den Innenräumen. Die kongeniale Ergänzung bietet die Filmmusik von Howard Shore, der vor allem durch seine Arbeiten für Psychothriller und Fantasyfilme bekannt ist und mehrfach mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.

„Der denkwürdige Fall des Mr Poe“ ist ein geschicktes Gewebe aus Fiktion und Fakten; ein Kriminalfilm mit Mystery- und Horror-Elementen. Die Kenner der Werke von Edgar Allen Poe werden ihren besonderen Spaß an den vielen Anspielungen und Zitaten haben.