Lucky
von John Carroll Lynch – USA 2017 – 88 Min.
Lucky ist ein 90-jähriger, wortkarger Eigenbrötler, Atheist und Freigeist. Er lebt in einem verschlafenen Wüstenstädtchen im amerikanischen Nirgendwo und verbringt seine Tage mit bewährten Ritualen – Yoga und Eiskaffee am Morgen, philosophische Gespräche bei Bloody Mary am Abend. Er liebt Kreuzworträtsel und Game Shows und ist stolz darauf, für sich selbst zu sorgen. Bis er sich nach einem leichten Schwächeanfall seiner Vergänglichkeit bewusst wird. Zeit, dem Leben noch einmal auf den Zahn zu fühlen.
Ein Film über Leben und Tod, Alter und Einsamkeit – und ein Film mit und über den unvergleichlichen, hervorragenden Harry Dean Stanton. Er ist Kult, steht im Focus und die Kamera ist dicht bei ihm. Man könnte stundenlang mit ihm zusammen sein, aber das wäre das Letzte, was er wollte. Als Protagonist verkörpert er einen Charakter, der sich ohne Umwege zur Identifikation anbietet. So oder so. Ein Leben voller Country-Song-Melancholie mit lakonischem Humor und von einer direkten Lebensqualität: „Es besteht ein Unterschied zwischen allein sein und einsam sein.“
In einer Nebenrolle glänzt David Lynch (nicht verwandt mit dem Regisseur) als Barkumpel, der verzweifelt seine hundertjährige Schildkröte Präsident Roosevelt sucht, die durch ein geöffnetes Gartentor entwischen konnte. In der Eingangssequenz ist die Flucht zu sehen, am Ende des Films kehrt sie zurück.
Harry Dean Stanton ist im September 2017 im Alter von 91 Jahren verstorben. „Lucky“ ist sein letzter Film und fasst noch einmal alles zusammen, was ihn seine gesamte Karriere über geprägt und ausgezeichnet hat. Den Film zu sehen, ist ihm eine letzte Ehre zu erweisen!