Porträt Horst Schäfer
Wertung: hervorragend

Loveless

von Andrej Zvyagintsev – SU/F/B/D 2017 – 127 Min.

Schauplatz ist eines der unwirtlichen Hochhaus-Viertel am Rande von einer Großstadt. Die Handlung spielt überwiegend in den dunklen Monaten des Jahres, was das Ambiente umso trostloser aussehen lässt. Es geht um den 12-jährigen Jungen Alyosha, der von seinen sich im hasserfüllten Scheidungsstreit befindenden Eltern nicht beachtet wird. Beide haben eine neue Beziehung und das Schicksal des Jungen ist ihren egal. Unbemerkt verschwindet er eines Tages auf dem Heimweg von der Schule. Erst einen Tag später werden die Behörden, Jugendamt und Polizei, eingeschaltet. Denen ist offensichtlich mehr an der Suche des Jungen gelegen als den Eltern. Eine großangelegte, öffentliche Aktion eines Freiwilligentrupps bringt keinen Erfolg. Der Junge bleibt verschwunden.

Eine kleine, dichte Geschichte, die emotional aufrührt und bewegt. Die verstörende Handlung führt in das Innere der modernen russischen Mittelschicht, die sich angepasst hat und auf eigene Vorteile bedacht ist. Die stellvertretend ausgesuchten Charaktere versinnbildlichen dabei ein eindrucksvolles, universelles Bild von Isolation, Lieblosigkeit, Gleichgültigkeit und Hoffnungslosigkeit. Die Lebensenttäuschungen und der oberflächliche Materialismus, dem die Protagonisten verfallen sind, machen den Film über das Familienporträt hinaus zu einem intensiven Dokument emotionalen Rückzugs, dem vor allem Unbeteiligte zum Opfer fallen. Der Film wurde mit internationalen Preisen und Auszeichnungen bedacht.