Maria Magdalena
von Garth Davis – GB 2017 – 130 Min.
Das mit den Bibelverfilmungen ist so eine Sache: früher waren es einfach Monumentalfilme mit reichlich Action und üppigen Schauwerten. Gespannt verfolgte man, wie sich in der ersten CInemascope-Produktion der Filmgeschichte, in THE ROBE (1953), Stars wie Richard Burton, Jean Simmons und Victor Mature auf der Kolossal-Film-Leinwand präsentierten. Und später gab es dann den Skandal um einen Film, in dem die biblische Geschichte von Scorsese in THE LAST TEMPTATION OF CHRIST als provozierende Liebesgeschichte inszeniert wurde. Die hier bereits angedeutete intensive Beziehung – oder aber eine Vision davon - zwischen Jesus (Willem Dafoe) und Maria Magdalena (Barbara Hershey) wird in dem aktuellen Film neu interpretiert und zu einer (unerfüllten) Liebesromanze. Rooney Mara spielt Maria als schmachtende, hingebungsvolle junge Frau, die sich zu einem attraktiven Mann (Joaquin Phoenix als Jesus) hingezogen fühlt, mit der patriarchalischen Enge ihrer Familie bricht und nicht mehr von seiner Seite weicht. Es gibt keine imposanten Massenszenen mehr wie früher in den Fünfzigern, sondern eine Kamera-Bild-Komposition wie in dem Stummfilm-Klassiker LA PASSION DE JEANNE D’ARC (1928): emotional ergreifende Großaufnahmen und sparsame, mathematisch kalkulierte Kamerabewegungen. Da der Vatikan uns alle Jahrhunderte mit neuen Wahrheiten überrascht (aus der Hure Maria wurde jetzt eine Heilige) bleibt abzuwarten, was demnächst noch auf uns zukommt – eine TV-Serie vielleicht.