Zwei Herren im Anzug
von Josef Bierbichler – D 2018 – 139 Min.
Wo Bierbichler draufsteht ist auch Bierbichler drin. Hier als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller in einer Geschichte, die sehr viel mit ihm und seiner Familie zu tun hat.
Mehr geht nicht! Die Handlung setzt ein im Jahr 1984, am Ende des Sommers. Im ausgedienten Tanzsaal eines ehemals traditionsreichen Gasthauses am See, haben der Wirt und Bauer Pankraz und sein 35-jährier Sohn gerade die letzten Gäste verabschiedet, die zum Leichenschmaus zu Ehren der verstorbenen Frau und Mutter Theres erschienen waren. Nun sitzen Vater und Sohn in erzwungener Gemeinschaft beisammen und unterhalten sich nach Jahren des Schweigens über die Vergangenheit: 1. und 2. Weltkrieg, alliierte Besatzung, der erste Traktor, Kalter Krieg, Wirtschaftswunder, Flüchtlinge, Studentenunruhen, die Familie. Alles kommt stockend und sehr persönlich zur Sprache und (für den Zuschauer) ins Bild. Es sind Selfies dreier Generationen. Aufschlussreich, streitbar und von einer unglaublichen Offenheit. Vorlage des epischen Familiendramas ist die gestraffte Version von Bierbichlers Romandebüt, der Heimat- und Familiensaga „Mittelreich“, ein heimatverbundenes bodenständiges Werk. Großes, gewaltiges, vitales Kinos! Genau: ein Bierbichler-Film.