Porträt Horst Schäfer
Wertung: sollte man gesehen haben

The Happy Prince

von Rupert Everett – D/B/I 2017 – 105 Min.

Filme über bekannte und berühmte Künstler folgen oft der Vorgabe von Aufstieg und Fall des Protagonisten. Das ist hier nicht der Fall. Ende des 19. Jahrhunderts ist Oscar Wilde noch Dandy und Darling der Londoner Gesellschaft – geistreich, humorvoll und skandalumwittert. Doch seine für die Zeit zu offen gelebten Liebesbeziehungen mit Männern bringen ihn ins Zuchthaus. Bei seiner Entlassung ist er verarmt und gesundheitlich angegriffen; ergeht ins Exil nach Paris.

Im Zentrum der Filmbiografie stehen seine letzten Jahre, der Verfall, der Ruin und das Ende. Rückblenden und assoziative Traumbilder zeigen ihn als exzentrischen Lebemann, der er zeitlebens war, und das Porträt öffnet sich zu einem Panorama der beginnenden Moderne. Rupert Everett ist Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller des Films. Als Schauspieler hat er auf der Bühne und im Film oft in Werken von Oscar Wilde mitgewirkt, was sein Interesse an dem Dichter erklärt. Sein melodramatischer Film bemüht sich um eine realitätsgetreue Rekonstruktion der Zeit und des Personals – mit dem Witz und der Ironie, die dem Protagonisten gebührt.