The Devil All the Time
von António Campos – USA 2020 – 138 Min. – Netflix
Die sich über Jahrzehnte ersteckende Familientragödie der Russels beginnt mit der Rückkehr des jungen US-Marines Willard von einem Einsatz auf einer Pazifikinsel. Dort erlebte er Gewalt und Grausamkeiten, die ihn sein Leben lang begleiten. Er hat seinen Glauben verloren und sucht neue Hoffnung und Orientierung. Und nun, in einem Kaff im Mittleren Westen, das von evangelikalem Fundamentalismus und Barbarei geprägt ist, landet er in unwirtlichen Verhältnissen. Da gibt es einen Sheriff, der das Gesetz in die eigene Hand nimmt, sowie einen durch und durch verdorbenen Prediger, der die Religion nach seiner Art auslegt und einen zwielichtigen Lebenswandel führt. Und in der Gegend treibt auch ein bigottes Serienkillerpärchen sein Unwesen. Es dauert nicht lange, bis Willard sich aus der erbärmlichen Ausweglosigkeit heraus das Leben nimmt. Sein Sohn Arvin – der eigentliche Protagonist des Films - sieht sich herausgefordert, fortan die bösen Mächte zu bekämpfen, die ihn und seine Familie bedrohen.
Der Film über die Abgründe eines ganz und gar gottverlassenen Glaubens basiert auf dem Roman Das Handwerk des Teufels des amerikanischen Schriftstellers Donald Ray Pollock. Die verschachtelte Handlungsebene der Familiengeschichte mitsamt aller finsteren Schicksalsschläge kontrastiert die Visualisierung mit der Schönheit und Ruhe des friedlichen Landlebens. Einen so ausgeprägten Sündenpfuhl kann man sich dort eigentlich nicht vorstellen. Die bild- und sprachgewaltige Romanverfilmung ist auch ein großes Schauspielkino und weist ein exzellentes Darstellerensemble auf, das die menschlichen Abgründe der Charaktere überzeugend meistert und die Zuschauer in den Bann zieht.