A Young Doctor’s Notebook
von Axel Hardcastle – GB 2012 – 8 x 25 Min. – arte
Erste Staffel: Moskau 1934. Der Arzt Vladimir Bomgard blickt zurück auf das Jahr 1917 und auf seine ersten Berufserfahrungen. Nach dem Studium der Medizin wurde er in ein kleines Dorf geschickt, um das dortige Krankenhaus zu leiten. Sein Wissen hat er sich aus Büchen angeeignet; in der harten, blutenden Realität ist er überfordert und muss oft improvisieren. Vladimir hat Angst vor seinen Patienten und er flüchtet sich aus der Verantwortung wann immer es geht. Seine Morphiumsucht bereitet ihm zusätzliche Probleme. Und das alles in den Wirren kurz vor der russischen Revolution.
Ausgangspunkt der Handlung ist ein Kreuzverhör bolschewistischer Soldaten. Der alte Vladimir beamt sich mittels seiner Tagebuchaufzeichnung an die Seite seines jüngeren Ichs; er kommentiert sarkastisch dessen Verhalten und greift dort wo es angebracht ist auch in das Geschehen ein.
Zweite Staffel: 1918, Vladimir und sein illustres Krankenhauspersonal müssen verletzte Soldaten beider Parteien des Russischen Bürgerkrieges behandeln und versuchen beiden Seiten gerecht zu werden. Sein älteres Ich wird 1935 aus der Entzugsklinik entlassen und reist an den Ort seines früheren Schaffens zurück.
Der besondere Reiz der Serie liegt an dem unkonventionellen Pas de deux der beiden Protagonisten Daniel Radcliffe und Jon Hamm. Sie verschmelzen zu einer Person, die den biografischen und zeitgeschichtlichen Bruch der Handlungsebenen mühelos überspielt.
Das bereitet nicht nur mit den treffsicheren Pointen, sondern auch in einzelnen absurden Sequenzen großes Vergnügen; so z.B. teilen sie sich Bett und Badewanne. Dialoge wie von Loriot. Englischer Humor trifft auf russische Satire Das triste Dasein des überforderten Landarztes kontrastiert der Film mit Splatter, Slapstick und schwarzem Humor.
Die Vorlage der Serie ist der Roman des russischen Autors Michail Bulgakow. Nach Abschluss seines Medizinstudiums war er als freiwilliger Helfer des Roten Kreuzes in verschiedenen Frontlazaretten tätig. 1916 wurde er als Reserveoffizier der Russischen Armee als Landarzt in Smolensk beordert. 1918 eröffnete er in Kiew eine eigene Praxis als Venerologe. In seinen autobiographischen „Arztgeschichten“ (1926/27) erzählt er von den Erfolgen, Enttäuschungen, Gefahren und Ängsten eines Landarztes, von dessen Kampf gegen die eigene Unerfahrenheit und die Vorurteile der Bevölkerung. Die einzelnen Geschichten schildern diverse Episoden, die sich ideal für eine Satire-Serie eignen. Die blutigen Sequenzen beispielsweise bei improvisierten Amputationen werden in den Bildern genregemäß aufbereitet; im Text sind sie weniger schockierend. Hier trifft ein kommentierender Erzähler die treffende Tonart; ein Zusammenspiel des jungen und des alten Ichs gibt es nicht. Das ist die Besonderheit der britischen Adaption.