Porträt Horst Schäfer
Wertung: hervorragend

Netflix

Squid Game

von Hwang Dong-hyuk – Südkorea 2021 – 9 x ca. 60 Min. – netflix

Seong Gi-hun, der Protagonist der Serie, lebt in Seoul. Der sympathische Looser ist geschieden. Er kümmert sich um seine altersgebrechliche Mutter; den gewünschten Kontakt zu seiner kleinen Tochter verweigert ihm seine Exehefrau. Seong ist hochverschuldet, existentiell verkracht und glücksspielsüchtig. Er erhält eine mysteriöse Einladung zu einem Spiel, in dem es um viel Geld geht. Nachdem er zugesagt hat, wird er betäubt und mit 455 weiteren Spielern an einen geheimen Ort gebracht, wo sie von maskiertem und bewaffnetem Personal kommandiert werden. Der Wettbewerb ist eine Variante des bei Kindern beliebtes Spiels „Ojingeo Game“ (Tintenfischspiel) und umfasst sechs Spiele. „Squid Game“ ist ein virtuoses Spiel mit Spielern, deren Marsch in den Tod vom Donauwalzer begleitet wird; es sind harmlose Wettbewerbe, allerdings mit tödlichem Ausgang.

Zu den Regeln der ersten Runde gehört, dass alle Verlierer sofort getötet werden. Zwar wird der Wettbewerb daraufhin von den 201 überlebenden Spielern per Mehrheitsentscheidung abgebrochen, doch die meisten von ihnen kehren wieder zurück, da ihr Leben perspektivlos erscheint und sie das Preisgeld wollen. Von Spiel zu Spiel reduziert sich die Anzahl der Teilnehmer. Dafür rücken einzelne Akteure deutlicher in den Vordergrund und gewinnen an Profil. Sie werden uns immer vertrauter, was zu emotionalen Bindungen zu den jeweiligen Protagonisten führt. Es entwickeln sich Allianzen, es entstehen sogar Freundschaften, am Ende spielt jedoch jeder gegen jeden, auf Leben und Tod.

In einem der Spiele geht es um das Tauziehen, zehn gegen zehn. Bei der Teambildung kommt es in erster Linie nicht unbedingt auf die körperliche Stärke der Mitspieler an, sondern auch auf Geschicklichkeit und taktisches Verhalten.

Am Ende stehen sich drei Finalisten gegenüber: Außer Seong Gi-hun sein Jugendfreund Cho Sang-woo, ein korrupter Geschäftsmann, und die junge Kämpferin Sae-byeok, die für eine nordkoreanische Spionin gehalten wird. Doch mit dem Sieg allein ist das Spiel nicht beendet. Es kommt zu einer überraschenden Auflösung des Geschehens und seiner Hintergründe.

Hwang Dong-hyuk, der das Drehbuch schrieb und Regie führte, wurde von einem beliebten Kinderspiel im Südkorea der 1970er und 1980er Jahre inspiriert und will damit eine Allegorie über die moderne kapitalistische Gesellschaft erzählen. „Squid Game“ ist eine der weltweit erfolgreichsten netflix-Serien.