Midnight Mass
von Mike Flanagan - Kan/USA 2021 – 7 x 60 Min. - netflix
Crockett Island, eine kleine Insel vor der Küste Washingtons, ist von der Außenwelt nahezu abgeschottet. Die ca. 150 isolierten Bewohner leben vom Fischfang und führen einander ein beschauliches Gemeindeleben. In der ersten Folge werden die Zuschauer auf diesen Schauplatz eingestimmt. Mit Sorgfalt und Beschaulichkeit nähert man sich den Personen und ihrer Lebenswirklichkeit; die einzelnen Charaktere werden vertrauter und rücken näher. Parallel dazu wird ihre Abhängigkeit von der Natur mit eindrucksvollen Bildern beschrieben. Das Gefüge wird gestört, als Riley Flynn auf die Insel zu seinen strenggläuibgen Eltern zurückkehrt, nachdem er vier Jahre im Gefängnis saß. Er hatte im betrunkenen Zustand eine junge Frau überfahren, die nicht überlebte. Die Nachbarn nehmen ihn mit Zurückhaltung auf; seine Mutter versucht, ihn wieder in die Gemeinschaft zu integrieren. Das versucht auch seine frühere Freundin Erin, die als Jugendliche die Insel verließ und nun als Schwangere zurückkehrt und den Job als Aushilfslehrerin übernommen hat; eine Stelle, die früher ihre Mutter eingenommen hatte.
Neu auf der Insel ist auch der charismatische, sich jovialgebende Priester Paul Hill, der seinen Dienst in der kleinen Kirche St. Patrick antritt. Dank seiner Religiosität und Rhetorik zieht der die Gläubigen in seinen Bann. Mit seiner Ankunft geschehen in dem Ort merkwürdige Dinge, düstere Geheimnisse treten zutage und alte Narben brechen wieder auf. Und schon bald gerät die Kleinstadt in Aufruhr. Für die einen ist es ein Segen, für die anderen ein Fluch. Erin ist plötzlich nicht mehr schwanger, Gebreche werden geheilt und einige Personen werden immer jünger. Priester Paul ist eine Inkarnation seines verschwundenen Vorgängers Pruitt und entpuppt sich als ein Vampir des Glaubens. Nach und nach verwandeln sich auch die anderen Gemeindemitglieder in Vampire und Zombies. Eine Katastrophe von apokalyptischem Ausmaß kommt über alle. Rette sich wer kann, doch dem Sonnenaufgang ist nicht zu entgehen. Nur ein junges Pärchen überlebt das Inferno
Eine Horrorserie über Schuld, Religion, Sucht und Rache, die es in sich hat. Wie bei Stephen King geht es auch hier um eine kleine Gemeinde, über die das Böse hereinbricht. Nach und nach wird der neue Priester zur zentralen Figur der Handlung, dessen ambivalentes Verhalten der Schlüssel des Schreckens ist, der sich über alle und alles erstreckt.
Neben den großartigen Schauspielern und der auf Spannung konzentrierten Regie sind die traumhaft schönen Bilder von der Insel und die zum Ambiente des religiösen Umfeldes passende Musikauswahl nachhaltig erinnerlich.