Der Kastanienmann
von Kasper Barfoed – Dänemark 2021 – 6 x 55 Min. – netflix
Die bei Kindern beliebten Kastanienmännchen stehen in diesen Film für angsteinflößende Horrorfigürchen. Denn dort, wo sie auftauchen, stehen sie im Zusammenhang mit Gewaltverbrechen. Betroffen davon sind Frauen, die auf grausame Art ermordet und zur Schau gestellt wurden. Offenbar handelt es sich dabei um Mütter, die ihre Kinder schlecht behandelt haben. Die Fingerabdrücke auf den Kastanien gehören der vor einem Jahr entführten und spurlos verschwundenen Tochter der Politikerin Rosa Hartung, die sich mit dem Tod ihres Kindes auseinandersetzen muss. Zwei gegensätzliche Ermittler, beide unter Stress wegen privater und beruflicher Probleme, sollen die Hintergründe dieser mysteriösen Mordserie aufklären, deren Spuren auch in die Vergangenheit Rosas führen. Sie hatte sich als Sozialministerin vornehmlich um das Wohl von Kindern aus asozialen Familienverhältnissen gekümmert. Eine dubiose Rolle spielt dabei der Gerichtsmediziner und Forensiker Simon Genz. Dessen Part spielt der in zahlreichen einschlägigen Filmen und Serien bewährte, mit Preisen und Auszeichnungen bedachte schwedische Schauspieler David Gencik. Mal ist er der Gute, oft aber auch der Böse.
Die Stärke dieser mit „Kommissarin Lund“ vergleichbaren Serie liegen in der anschaulich aufgefächerten Alltagsrealität der Protagonisten und einem sich daraus entwickelnden ansteigendem Spannungsbogen. Die Romanvorlage stammt von Soeren Sveinstrup, der auch die Drehbücher der „Lund“-Serien, einem Meisterwerk des Nordic Noir, schrieb. Die atmosphärische Dichte und die überzeugende Charakteristik der Protagonisten sorgen auch diesmal für sechs Stunden exzellente Unterhaltung.