The Power oft he Dog
von Jane Campion – Neuseeland/Australien 2021 – 128 Min.
Die Brüder Phil und George Burbank besitzen in den 1920er Jahren gemeinsam eine große Ranch in Montana. Über vierzig Jahre lang haben sie sich ein Zimmer geteilt. Phil verachtet jegliche Schwäche, ist der intelligentere Bruder, ein brillanter Schachspieler, ein unersättlicher Leser und beredter Geschichtenerzähler. Er arbeitet hart und treibt seine Leute an, ist der Tradition verhaftet und hält an dem klassischen Männerbild fest. George träumt von einem anderen Leben und sehnt sich nach einer Frau und Familie. In ihrer Gegensätzlichkeit sind die Brüder gut aufeinander eingespielt. Phil ist der Mann fürs Grobe; der jüngere George erledigt die Geschäfte und hält die Außenkontakte. Dabei lernt er die Witwe Rose kennen, die ein Restaurant betreibt und dem von Männern, Whisky und Huren geprägten Umfeld gerne entkommen möchte. Als George sie heimlich heiratet und zu sich auf die Ranch nimmt, macht Phil ihr und ihrem heranwachsenden Sohn Peter mit sadistischen Spielchen das Leben so schwer wie möglich. Dabei benutzt er Peter als Schachfigur für seine Demütigungen und Intrigen. Er sucht dessen Freundschaft, nicht zuletzt um damit seine eigene Vergangenheit zu bewältigen. Aber der feinsinnige und zerbrechlich wirkende Peter entwickelt seine eigene Persönlichkeit und schafft es, das Kräfteverhältnis umzukehren.
Der Film entstand nach der Vorlage des gleichnamigen Romans von Thomas Savage aus dem Jahr 1967. Der Autor ist bekannt für seine Stoffe, die den Wilden Westen nicht romantisieren, sondern die unwirtliche und harte Lebenswirklichkeit in den Mittelpunkt stellen. Jane Campion betont in ihrem Neowestern den Ort der Handlung ebenfalls das Milieu und Ambiente als eine Art Urzustand der Gesellschaft. Ihre Kamera bleibt nahe an den Protagonisten und gewährt ihnen viel Raum und Präsenz. Besonders liebt sie Kameraeinstellungen aus dunklen Räumen wie etwa in Scheunen oder Ställen, die durch ein rechtwinkliges Fenster – einer Leinwand gleich – das Geschehen draußen davor zeigen; als Film im Film sozusagen.