Sacha
von Léa Fazer – CH/F 2021 – 6 x 50 Min. – arte
In Genf steht die angesehene Staatsanwältin Anne Dupraz unter dringendem Tatverdacht, auf einen Mann geschossen zu haben. Der Fall ist heikel, denn dem Opfer Philippe Teissier eilt in der Genfer Unterwelt ein Ruf voraus. Bei ihren Ermittlungen erfahren Jasna Shaqiri und Thomas Hoffmann überraschende Vorgänge aus der Vergangenheit der Staatsanwältin. Die Kommissare wollen herausfinden was sie dazu brachte, ihre Karriere aufs Spiel zu setzen. Dupraz leugnet die Tat nicht; sie selbst hat die Polizei gerufen und lässt sich festnehmen. Ihr Ex-Mann und dessen Frau, eine TV-Journalistin, kennen das Motiv. Mit Rücksicht auf ihre Tochter Elsa schweigt sie. Bei ihren Recherchen kommen Shaqiri und Hoffmann der Wahrheit näher: als junge Frau unterhielt Dupraz eine toxische Beziehung mit Teissier, der sie mit der Aussicht auf eine Filmrolle bei Godard nach Paris gelockt und sie dort fünf Jahre lang zur Prostitution gezwungen hatte.
„Sacha“ ist eine elegante, stille Miniserie über sexuelle Ausbeutung und weibliche Selbstbestimmung. Die dramaturgisch intelligent konstruierte, auf Chronologie verzichtende Narration mit parallel verlaufenden Handlungssträngen sorgt für immer neue Erkenntnisse, die von den Tatmotiven ausgehend auf die gesellschaftlichen Zusammenhänge eines globalen Kapitalismus verweisen. Hierbei besonders wirkungsvoll ist die Aufsplitterung der gebrochenen Protagonistin als Erwachsene, junge Frau und kleines Mädchen, die alle drei zunehmend präsent sind und es schaffen, die Vergangenheit zu bewältigen. Dupraz Handeln wurde wesentlich von düsteren Geheimnissen aus ihrer Familiengeschichte beeinflusst. Sophie Broustal liefert als Hauptdarstellerin eine grandiose, in allen Facetten überzeugende Leistung.