Porträt Horst Schäfer
Wertung: hervorragend

Netflix

Copenhagen Cowboy

von NWR (Nicolas Winding Refn) - Dänemark 2022 – 6 x 50 Min. – netflix

Miu ist eine zierliche junge Frau, die auf geheimnisvolle Art und Weise in einem Bordell in Copenhagen auftaucht, das von einem kriminellen, albanischen Clan kontrolliert wird. Ihr wird nachgesagt, ein „Glücksbringer“ zu sein. Die Zuhälter-Familie verspricht jungen Frauen aus Osteuropa eine Modelkarriere, hält sie dann aber als Zwangsprostituierte in ihrem Anwesen gefangen. Miu freundet sich mit einem der Mädchen an. Als diese spurlos verschwindet, macht sie sich auf die Suche nach ihr und gerät dabei in ein Netzwerk des organisierten Verbrechens. Sie stößt auf eine chinesische Restaurantbesitzerin, die sie mit den Bossen verfeindeter Gangs bekannt macht. Es geht um die Vormachtstellung über den Drogenhandel. Miu lässt sich darauf ein, als Zulieferin für Kokain-Kunden zu arbeiten, verfolgt aber dabei eigene Ziele. Sie mischt die Szene auf und rächt sich unter Einsatz ihrer Superkräfte an den Männern, die die jungen Frauen tyrannisiert und missbraucht haben.

„Copenhagen Cowboys“ ist eine zwischen Neon-Noir und Fantastik angesiedelte Serie, die sich keinem Genre zuordnen lässt. Die Stilmittel des Gangster-, Drama- oder Thriller-Films werden für eine eigenwillige Dramaturgie und Ästhetik genutzt. Neben einer aufreizend entschleunigten Kameraführung auffallend auch das kontrastreiche Spiel von Licht und Schatten, das von den dröhnenden Beats eines spannungsgeladenem Synthie-Soundtrack untermalt wird. Überlappende Dialoge wie bei Howard Hawks sind sein Ding nicht. Wie schon bei seiner Serie „Too Old To Die Young“ müssen die Zuschauer viel Zeit einplanen.

Refn versteht sich auf eindrucksvoll ausgewählte Farb-Kompositionen; jedes einzelne Bild gleicht einem Gemälde der klassischen Kunst. Räume, Flure und Einrichtungen sind wahre „Schauplätze“, arrangiert und in Szene gesetzt wie bei Edward Hopper. Sie stehen eigenständig und gleichwertig neben den Protagonisten des Geschehens.

Im Mittelpunkt der Handlung stehe jedoch die von Angela Bundalovic gespielte kleine und zierliche Miu, die allein in einer Welt von kräftigen und großen Männern agieren muss. Viele davon sind ausgemachte ‚Schweine’, die sich auch entsprechend benehmen und dafür von ihr bestraft werden. Dabei zeigt die mysteriöse, rätselhafte Miu mitunter auch stoische und autistische Wesenszüge; es wird nicht ersichtlich, woher ihre übernatürlichen Fähigkeiten kommen. Möglicherweise erfahren es wir ja in einer Folge-Staffel.