Porträt Horst Schäfer

Kinotipps 2011

53 Besprechungen aus dem Jahr 2011.

Wertung:
Wertung: sollte man gesehen haben

Und dann der Regen

von Iciar Bollain - F/M/S 2010 - 103 Min.

Eine spanische Filmcrew dreht in Bolivien einen Film über den Mythos Christoph Columbus und die damit verbundene Gier nach Gold, die Jagd auf Sklaven und zu bekehrende Heidenseelen. Es kommt zu einem ereignis- und folgenreichen Konflikt, weil ein Teil der einheimischen Statisten in einen Aufstand involviert sind, da die gesamten Wasservorräte der Gegend an einen internationalen Konzern verkauft wurden. Geschichte und Gegenwart, Film(kunst) und Realität treffen aufeinander. EIn Film über falsches und wahres Heldentum und das Wechselspiel von fiktiven und authentischen Vorkommnissen. Leider endet der Film überflüssigerweise mit der melodramatischen Beschwörung einer Männerfreundschaft.

Die Rolle des Filmregisseurs spielt Gael Garciá Bernal - und das allein macht diesen "Film im Film" schon sehenswert.

Wertung: kann man sich ansehen

Sherlock Holmes. Spiel im Schatten

von Guy Ritchie - USA 2011 - 129 Min.

Ein weiterer Film mit dem Anliegen, bekannte Klassiker neu zu beleben und mainstreamkonform zu vermarkten. Auch diesmal - wie in dem ersten Film mit Robert Downey Jr. und Jude Law - sind mehr die Muskeln als das Hirn gefragt. Anstatt mit seiner Pfeife im Sessel zu sitzen und die Dinge (Fälle) an sich herantragen zu lassen, muss Holmes diesmal quer durch Europa. Das setzt nun mal Tempo und Action voraus. Ist aber sehenswert, weil perfekt inszeniert, unterhaltsam und witzig.

Ach soi: Es gehrt darum, die Welt zu retten. Nicht mehr und auch nicht weniger. Und so ganz nebenbei kann man Stephen Fry in einer sehr freizügigen Sequenz betrachten. Eine neue An-Sicht des Allroundgenies!

Wertung: nicht zu empfehlen

Sommer der Gaukler

von Marcus H. Rosenmüller - D 2011 - 110 Min.

Die Leidenstournee der Theatergruppe um Emanuel Schikaneder im Sommer

1780 auf dem Weg nach Salzburg. Alles läuft schief und die Truppe löst sich auf. Sie stecken fest in einem kargen Bergdorf nahe der österreichischen Grenze und geraten unversehens in eine aufgeheizte Situation, weil ausgebeutete Bergleute sich dem geizigen Bergwerksdirektor widersetzen. Das alles soll sehr lustig sein und erinnert an einen Komödienstadl mit überforderten Laiendarstellern. Damit es bunter wird, muss auch noch eine Klischeefigur namens Wolfgang Amadeus Mozart auftauchen und die Rolle des Heilsbringers spielen.

Kunst trifft auf Realität - anders als in "Und dann der Regen" (siehe oben) geht es hier allerdings voll daneben.

Wertung: nicht zu empfehlen

Rubbeldiekatz

von Detlev Buck - D 2011 - 100 Min.

Matthias Schweighöfer als junger Bühnenschauspieler, der, um der Rolle in einem Nazifilm wegen, sich als Frau ausgibt. Dass er sich kurz zuvor in wahrer Identität in die Hauptdarstellerin (Alexandra Maria Lara) verknallt hat, macht den eigentlichen Plot aus..

Wenn dem "deutschen Filmlustspiel" nichts besseres einfällt, steckt er Männer in Frauenröcke, was lustig sein soll - manchmal sogar gelingt. "Charleys Tante" ist die Patin. Das ist seit den 30er-Jahren so; später dann die Verfilmungen u.a. mit Heinz Rühmann (1955) und Peter Alexander (1963). Bezeichnenderweise beginnt und endet der Film von Buck auch mit einer Sequenz aus dem Bühnenstück.

Das alles ist weder originär, noch originell oder gar lustig. Plattheiten und Zoten statt Witz und Charme. Die Schuld liegt aber nicht bei den gutgelaunten Darstellern, sondern an dem schwachen und fahrigen Drehbuch, das alles verwurstet, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Kein Klischee wird ausgelassen - selbstverständlich auch nicht die "Führer"-Parodie.

Wertung: sollte man gesehen haben

Sarahs Schlüssel

von Gilles Paquet-Brenner - F 2010 - 104 Min.

Vergleichbar mit dem Film "Kinder von Paris" handelt auch dieser Film von der Deportation jüdischer Familien im Juli 1942 in Paris - die sogenannte "Radrennbahn-Razzia". Hier entwickelt sich die Geschichte allerdings nicht linear, sondern auf zwei Ebenen. Zunächst einmal geht es um das Schicksal der zehnjährigen Sarah, die ihren kleinen Bruder vor dem Zugriff der französischen Polizei in einem Geheimversteck hinter der Tapetentür verbirgt, und dann noch um die Recherchen der amerikanischen Journalistin Julia Jarmond gut siebzig Jahre später. Sie weiß nicht, dass ihren Schwiegervater ein dunkles Geheimnis umgibt.

Ein nicht nur für Frankreich wichtiger Film. Zeitgeschichte als packendes Kino. Dank der Leistungen von Mélusine Mayance als Sarah und Kristin Scott Thomas als Julia Jarmond.

Wertung: nicht zu empfehlen

Anduni - Fremde Heimat

von Samira Radsi - D 2010 - 88 Min.

Belinda lebt in Köln und studiert. Als ihr Vater stirbt, wird sie mehr und mehr in die skurrile Welt ihrer armenischen Familie gesogen, mit der sie eigentlich kaum etwas zu tun hat. Doch je wohler sie sich nun dort fühlt, desto mehr entfremdet sie sich von ihrem Studentenleben und ihrem Freund Manuel. Belinda begibt sich auf die Suche nach ihrer Heimat, an der sich nicht nur ihre halbe Großfamilie beteiligt, sondern auch Manuel.

"Anduni" ist ein Familien- und Heimatfilm, in dem Heimat nicht gezeigt, sondern gesucht wird. An dem Film ist der WDR als Produzent beteiligt. Daher also kein Film für die große Leinwand, sondern formatgerecht für den Bildschirm zurechtgestutzt. Nicht ins Kino gehen, sondern auf die TV-Ausstrahlung warten.

Immerhin lohnt sich die Leistung der beiden Hauptdarsteller:Irina Potapenko als Belinda und Tilo Prückner als Großvater, der die armenisch-türkisch-deutsche Vergangenheit wie ein Mühlstein mit sich herumträgt. Ärgerlich ist nur die Gastrolle von Peter Millowitsch als ur-kölscher Beamter. Soetwas stört und bringt die Geschichte aus der Balance.

Wertung: sollte man gesehen haben

Der Gott des Gemetzels

von Roman Polanski - Euro 2011 - 81 Min.

Das erfolgreiche Bühnenstück von Yasmina Reza ist bekannt. Zwei Ehepaare treffen auf- und gegeneinander, weil der eine Sohn dem anderen zwei Zähne ausgeschlagen hat. Daraus entwickelt sich eine Zimmerschlacht bester Tradition. Eine Regieleistung von Polanski, die seinem Stil gemäß ist, ist nicht zu erkennen. dafür aber macht es ein großes Vergnügen, vier überragenden Darstellern bei ihrer Arbeit zu sehen zu dürfen: Jodie Foster (immer), Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly!

Wertung: sollte man gesehen haben

Die Höhle der vergessenen Träume

von Werner Herzog - F 2010 - 90 Min.

Herzogs Film erlaubt einen exklusiven Zutritt zu der Chauvet-Höhle im Süden Frankreichs, wo er die ältesten bekannten Bildschöpfungen der Menschheit in ihrer erstaunlichen natürlichen Umgebung einfängt. Dabei lotet er die Möglichkeiten der 3D-Rechnik aus und führt die Zuschauer über 30.000 Jahre in der Zeit zurück.

Werner Herzog ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Ihm kann man stundenlang zuhören und zusehen. Und dies ist ein Film, bei dem das 3D-Format gerechtfertigt ist und überzeugt.

Wertung: sollte man gesehen haben

Hotel Lux

von Leander Haußmann - D 2010 - 105 Min.

Über das Schicksal der nach Hollywood exillierten Deutschen ist viel geschrieben und gefilmt worden; demgegenüber über das Exil in Moskau vergleichsweise wenig. Da der "große FIlm" noch aussteht, gibt es jetzt jedenfalls dazu eine Komödie. Denn der Film "Hotel Lux" muss als "Komödie" und nicht als politischer Film über ein Kapitel deutscher Zeitgeschichte verstanden werden.

Wenn sich Schauspieler mit historisch verbürgten Charakteren kreuzen, ist der Erfolg meistens Klamauk oder platter Witz zum Schenkelklopfen. Hier ist ein Film entstanden, der durchaus gelungen ist, auch wenn es einiger schauspielerischer Glanzleistungen bedarf, etliche Schwächen des Drehbuches (langer Prozeß, viel Autoren) auszugleichen. Sympathisch ist, dass sich Jürgen Vogel und Michael Bully Herbig voll auf ihre ROllen konzentrieren und diese nicht als Gelegenheit überzogener Selbstdarstellung nutzen.

Trotzdem: ein realitätsnaher Film über die spannende Phase deutscher Geschichte am Schauplatz "Hotel Lux" steht noch aus. Vielleicht schafft dieser Film ja dazu die Voraussetzungen.

Wertung: kann man sich ansehen

Killer Elite

von Gary McKendry - GB 2011 - 116 Min.

Es geht um das weltweite Interesse an arabischem Öl und um düstere SAS-Machenschaften. Und es geht um drei Männer, die in unterschiedlichen Gefechtslagen Männer töten, weil sie Männer getötet haben. Dazu ein paar spektakuläre Stunts, die üblichen Verfolgungsjagden und um das ausbalancierte Dreieck von Jason Statham, Robert De Niro und Clive Owen. Damit es nicht zu langweilig wird, kommt noch eine kleine Liebesgeschichte hinzu. Kurz: Die üblichen Zutaten zu einem Action-Thriller mit den üblichen Verdächtigen.

Wertung: kann man sich ansehen

I

m not a f**king Princess" von Eva Ionesco, F 2010, 104 Min.

Paris in den 70er Jahren. Eine exzentrische Forafin (Isabelle Huppert) inszeniert ihre junge Tochter Violetta als erotisch-verführerisches Objekt vor der Kamera und verdient damit viel Geld. Doch dann lehnt sich die Tochter gegen die Mutter auf. Die Regisseurin Eva Ionesco arbeitet mit diesem Film ein autobiografisches Trauma auf. Über diesen Film und über denkbare Grenzen der künstlerischen Freiheit lässt sich gut streiten. Geboten und gezeigt wird allerdings nichts Spektakuläres, sondern ein fesselnder Mutter-Tochter-Konflikt. Um das verbindlich beurteilen zu können, fehlt mir allerdings das Insider-Wissen.

Wertung: sollte man gesehen haben

Contagion

von Steven Soderbergh - USA 2011 - 106 Min.

Weltweit breitet sich ein tödliches Virus aus - und wie immer gibt es Helden, die sich dem entgegenstellen. So auch in diesem Film. Allerdings ist es diesmal kein Katastrophenfilm (als Genre), sondern ein Film über eine Katastrophe - minutiös und überzeugend nachgezeichnet. Unter Verzicht auf die üblichen Schreckens- und Panikbilder wird hier gezeigt, wie Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Medien darauf reagieren. Das ist eine Zustandsbeschreibung, die direkt auf unsere Gegenwart verweist. Und ganz nebenbei: der Film ist mit hervorragenden Schauspielern besetzt, die sich nicht in den Vordergrund drängen, sondern der Story den Vorzug geben.

Wertung: nicht zu empfehlen

Cirkus Columbia

von Danis Tanovic - 2010 - 113 Min.

Schon die Zusammenfügung der Produktionsländer Bosnien-Herzegowina, Frankreich, England, Deutschland, Slowenien und Belgien sollte Skepsis auslösen. Es gibt immer wieder Filme bei denen man sich fragt, warum überhaupt sind sie gedreht worden. Dieses bosnische Heimkehrer-Drama gehört mit Sicherheit dazu.

Wertung: sollte man gesehen haben

Die Haut, in der ich wohne

von Pedro Almodovar - Spanien 2011 - 125 Min.

Antonio Banderas spielt einen plastischen Chirurgen, dessen Frau bei einem tragischen Autounfall grausam verbrannte. Seitdem setzt er alles daran, eine widerstandsfähige, künstliche Haut zu erschaffen. Viele Jahre später hat er sein Ziel erreicht. Doch nun fehlt ihm ein geeignetes Forschungsobjekt. Und das, was nun folgt, sei nicht verraten.

Almodovar stellt einen Film vor, der verstört und irritiert. Er erreicht das, was man als "nachhaltige Wirkung" bezeichnet. Unbedingt ansehen.

Wertung: hervorragend

Tyrannosaur

von Paddy Considine - GB 2011 - 89 Min.

Endlich mal wieder ein Film, der uns eine Lebensrealität fernab aller Fantasy-Stories oder Specialeffecte zeigt. Auch das ist Kino. Es geht um die Lovestory zwischen einem abgehangenen, jähzornigen Pub-Typen (Peter Mullan) und einer Mittelschichts-Frau (Olivia Colman) , die sich permanent unter den Schlägen ihres bigotten Ehemannes hinwegducken muss. Eine Geschichte, die trotz aller Tragik auch anrührend, humorvoll, zutiefst menschlich und voller Hoffnung ist. Die Lösung eines Problems bedeutet hier: es kommen neue hinzu.

Auf dem diesjährigen Sundance Filmfestival wurde der Film mit den Preisen für die Beste Regie, den besten Hauptdarsteller und die beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Einer besseren Empfehlung bedarf es nicht.

Wertung: kann man sich ansehen

Die Liebesfälscher

von Abbas Kiarostami - F/I 2011 - 106 Min.

Ein britischer Autor, der sich auf das Thema "Unterschied zwischen Original und Fälschung" spezialisiert hat, trifft bei einer Lesung in der Toskana auf eine Kunstexpertin. Die beiden unternehmen einen Ausflug und es bleibt offen, ob es sich um ein seit 15 Jahren verheirateten Paar oder um eine Zufallsbekanntschaft handelt. Die Wahrheit liegt in der Mitte oder im Kopf des Betrachters. Jedenfalls: Kiarostami, der früher seine Geschichten mit BILDERN erzählte, setzt hier auf Geschwätzigkeit und kaum unterbrochene Dialogketten. Wer aber die hinreißende Juliette Binoche sozusagen in einem (halben) Solo erleben möchte, der ist hier bestens bedient. Die Frau ist ganz einfach großartig und man könnte mit ihr stunden- und tagelang durch verträumte Gassen in der Toskana wandeln.

Wertung: nicht zu empfehlen

4 Tage im Mai

von Achim von Borries - D/Russland 2011 - 97 Min.

Eigentlich eine interessante Geschichte. Vier Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieges wird ein Kinderheim an der deutschen Ostseeküste von einem sowjetischen Spähtrupp besetzt. In Sichtweite lagern Soldaten der Wehrmacht. Ein 13-jähriger Waisenjunge will sich als Held erweisen und gerät zwischen die Fronten. Es ist ein sowjetischer Hauptmann, der sich als wahrer Freund erweist und die Kinder sogar gegen seine eigenen Leute verteidigen muss.

Das alles ist leider nicht emotional bewegend, sondern verkitscht und mit Klischees überhäuft. Der Hauptdarsteller Aleksei Guskov ist gleichzeitig auch der Ko-Produzent und hat sich hier eine Rolle als gebrochener Held und Sympathieträger gekapert, die so früher von Wassili Schukschin gespielt wurde.

Einziger Lichtblick in diesem Aufguss des "grpßen vaterländischen Kinos" ist der Junge Pavel Wenzel mit roten Haaren, grünen Augen und russischen Sprachkenntnissen. Lt. Presseheft spielt er in der D-Jugend von Enerie Cottbus und will später einmal Fussballspieler werden. Viel Erfolg, Junge!

Wertung: kann man sich ansehen

Eine offene Rechnung

von John Madden - USA 2011 - 113 Min.

Drei Agenten des israelischen Geheimdienstes begeben sich in den Sechziger Jahren auf eine geheime Mission nach Ostberlin, um den berüchtigten NS-Verbrecher Dieter Vogel zu kidnappen und ihn in Israel vor Gericht zu stellen. Zwar schaffen sie es, den "Chirurgen von Birkenau" in ihre Gewalt zu bringen, doch die Aktion verläuft anders als erwartet. Aus einem gefeierten Heldenstück wird die gewaltige Last einer Lebenslüge.

Helen Mirren spielt mit. Also auf ins Kino!

Wertung: nicht zu empfehlen

Columbiana

von Olivier Megaton - USA 2011 - 107 Min.

Je cooler, zierlicher und hübscher die Protagonistinnen des Adrenalin-Action-Fight-Kinos sind, desto verheerender die Wirkungen ihres Handelns. Hier rächt eine junge Heldin (/Zoe Saldana) die Ermordung ihrer Eltern durch die Mafiosi.Es beginnt wie ein kleines Streichholz und endet wie eine Feuerwalze. Viel Lärm um nichts!

Wertung: nicht zu empfehlen

Baikonur

von Veit Helmer - D/Russsland/Kasachstan 2010 - 94 Min.

Ort des Geschehens ist der Raketenweltraumstartplatz im kasachischen Baikonur. "Was von Himmel fällt, darf man behalten" heißt es. Und so findet der etwas verschrobene junge Funker Iskander, genannt "Gagarin", eine wunderschöne französische Weltraumtouristin, die ihm vom Himmel direkt vor die Füße fällt. Der Humor, der sich aus diesem Plot ableitet, ist wohl nur den Steppenbewohnern verständlich und hierzulande mehr als gewöhnungsbedürftig.

Der Charm und der Witz des Films "Absurdistan" ist leider irgendwo im Weltall verschollen.

(24. -31.08.2011)

Wertung: hervorragend

Fantasy Filmfest 2011 - Fear Good Movies

Die 25. Show. Im Kalender gibt es bei mir immer einen Strich, der andere Termine blockiert. Erscheinen Pflicht. Auch diesmal ist nicht alles zu schaffen. DON'T BE AFRAID OF THE DARK (USA/Australien 2010, Regie: Troy Nixey) ist hervorragendes Poltergeist- und Geisterbahn-Kino. Die kleine Sally, die mit dem überbeschäftigten Vater und seiner gewöhnungsbedürftigen Neuen in ein riesiges viktorianisches Anwesen einzieht, stößt im Keller auf ein gruseliges Geheimnis aus vergangenen Zeiten. Der Produzent des Films ist Guillermo del Toros und dessen Name bürgt für Genresicherheit und Qualität.

RED STATE (USA 2011, Regie: Kevin Smith) ist ein verblüffender Genre-Mix. Im Mittelpunkt steht eine mysteriöse, ultrakonservative Sekte, die, nicht mit Feuer und Schwert, sondern mit Folter und Waffenarsenal die Bibel auslegt. Das geht hin und her zwischen Okkult-Horror, Actionthriller und schwarzer Komödie.

THE ASSAULT (F 2010, Regie: Julien Leclercq) ist eine überzeugende und fesselnde Rekonstruktion einer Geiselnahme aus dem Jahre 1994. Vier schwerbewaffnete Anhänger der Armed Islamic Group entführen ein Passagierflugzeug der Air France. Das Flugzeug wird später von einer französischen Eingreiftruppe gestürmt. Bemerkenswert vor allem die detaillierte Aufarbeitung des Falles quer durch alle Instanzen von Polizei und Politik.

A HORRIBLE WAY TO DIE (USA 2010, Regie: Adam Wingard) führt zwei Geschichten bzw. Protagonisten zu einem finalen Schlachtfest zusammen: ein White-Trash.Serien-Killer und eine anonyme Alkoholikerin. Filmisch nicht besonders aufregend.

THE PREY (F 2011, Regie: Eric Valette) ist hingegen äußerst empfehlenswert. Ein französischer Krimi in bester Tradition. Bankräuber Franck hat seinen Kumpanen nicht verraten, wo er die Beute versteckt hat. Im Knast wird er dafür gehörig unter Druck gesetzt. Um seiner Freundin zu verhelfen, vertraut er sich einem Zellengenossen an, der bald entlassen wird. Doch der ist ausgerechnet ein Kinderschänder und Mörder der allerübelsten Sorte. Der Hauptdarsteller Albvert Dupontel kann für Frankreich bei der kommenden Olympiade in beinahe allen Sportarten an den Start gehen: Kurstrecken- und Langlauf, Hoch- und Weitspringen, Boxen und Schießen etc. & etc. Beachtlich!

RABIES (Israel 2010, Regie: Aharon Keshales) ist ein selbstironischer Genremix, in dem sich eine Handvoll Teenager in einem entlegenen Waldstück verzweifelt und aussichtslos gegen die vorhersehbare Dezimierung wehrt.

Wertung: hervorragend

Midnight in Paris

" von Woody Allen -USA 2010 - 94 Min.

Woddy Allens 42. Regiearbeit war der Eröffnungsfilms in Cannes 2011 und wurde von Publikum und Presse stürmisch umjubelt. Der Film ist eine einzige Liebeserklärung an Paris und all die schönen Erinnerungen, die sich damit verbinden. Ein junger Drehbuchschreiber aus Hollywood, der gerne einmal seinen 'großen Roman' schreiben möchte, trifft im Paris von heute die Größen aus der Künstlerszene der Zwanziger Jahre. Das Ensemble der Berühmtheiten reicht von Hemingway, Fitzgerald, Gertude Stein bis hin zu Picasso, Dali und Bunuel. Allen ist ein hervorragendes Spiel mit Zeit und Raum gelungen, das leicht und locker rüberkommt, nicht verkopft, sondern elegant und spielerisch mit den Möglichkeiten einer solchen Zeitreise - wie sie nur im Film stattfinden kann - umgeht. Irgendwann erscheint plötzlich "The End" und man ist enttäuscht, das der Film schon aufhört. Spontan stellt sich der Wunsch ein, sofort nach Paris zu reisen und sich mit der entsprechenden Literatur einzudecken. Nicht zu vergessen ist eine CD mit der Filmmusik aus den Roaring Twenties , die ihre eigene Qualität besitzt.

Wertung: nicht zu empfehlen

Sommer in Orange

von Marcus H. Rosenmüller - D 2011 - 110 Min.

Zurück in die 80er Jahre. Einige Bhangwan-Anhänger ziehen von Berlin aus aufs Land in die bayerische Provinz. Und das die die Aufforderung, alle Klischees und Plotten zu bedienen, die sich aus dieser Konstellation ergebenb. Dieses seit der Blütezeit des deutschen Filmlustspiels in den 50er Jahren bewährte Rezept wird noch einmal nachgekocht und hinterlässt ein dünnes Ideen-Süppchen mit einem faden Geschmack.

Wertung: sollte man gesehen haben

Planet der Affen

von Rupert Wyatt - USA 2011 - 105 Min.

Sozusagen die Vorgeschichte: Logisch entwickelt sich hier wie es dazu kam, dass unser Planet nur noch von (intelligenten und sympathischen) Affen bewohnt wird. Besonders beeindruckend die Leistung des Performance Capture-Künstlers Andy Serkis als Schimpanse Caesar im Mittelpunkt überbordender visueller Effekte. Allein die Kamerafahrten des Oscar-Preisträgers Andrew Lesnie sind einen Kinobesuch wert.

Wertung: sollte man gesehen haben

Shanghai

von Mikael Hafstrom - USA 2010 - 105 Min.

Shanghai war in den 30er- und 40er- Jahren eine der aufregendsten und faszinierendsten Städte. Heute ist sie es wieder. Aber dieser Film führt noch einmal zurück in die turbulenten Zeiten der Kriegsjahre; genauer in die Zeit, die dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor vorausging. Ein amerikanischer Agent, getarnt als nazifreundlicher Journalist, wIll herausfinden, wer oder was den Tod seines Freundes und Kollegen verursacht hat. Dabei gerät er zwischen alle Fronten, zu denen auch ein chinesischer Gangsterboss, seine wunderschöne Frau (und Widerstandskämpferin) sowie ein skrupelloser japanischer Geheimdienstgeneral zählen. Die Produktion hat bei der Ausstattung des Films und der Rekonstruktion der Zeit nicht gespart. Neben den glänzenden Protagonisten John Cusack, Gong Li und Chow Yun-Fat bietet der Film mit den Bildern aus einer nervösen und quirligen Stadt Schauwerte allererster Qualität.

Ein Vergleich mit dem FIlm "John Rabe" von FLorian Gallenberger bietet sich an und ist sinnvoll (Majestic-DVD).

Wertung: kann man sich ansehen

Der Albaner

von Johannes Naber - D 2010 - 104 Min.

Immer dann, wenn das deutsche Kino über den Tellerrand beziehungsgeladener deutscher Innensichten hinaus blickt, kommen interessante Filme auf uns zu. "Schlafkrankheit" beispielsweise gehört mit zu den nennenswerten innovativen Produktionen. "Der Albaner" ist ein Film über den jungen Albaner Arben, der in Deutschland die große Kohle machen möchte, damit er seine Geliebte Etleva heiraten kann. Ansonsten wird diese von ihrer Familie gegen gutes Geld nach Amerika verscheuert.

Auf Arden warten spannende, aufregende und gefährliche Zeiten, die ihn beinahe zwangsläufig in die Kriminalität treiben. Irgendwie kommt er an das notwendige Geld, aber am Ende steht er doch mit leeren Händen da. "Der Albaner" ist ein Film mit beeindruckenden schauspielerischen Leistungen und einer nicht alltäglichen Story.

Wertung: kann man sich ansehen

Alles koscher!

von Josh Appignanesi - GB 2010 - 105 Min.

Mahmud ist ein nicht gerade strenggläubiger Moslem. Als sein Sohn Rashid seine Freundin Uzma heiraten will, bereitet sich die Familie auf den Besuch von Uzmas Stiefvater Arshad Al-Masri vor, der weltweit als fanatischer Prediger bekannt ist. Gerade in diesen Tagen erfährt Mahmud, dass er als kleines Kind adoptiert wurde und Jude ist. Als Mahmud Nasir wird Solly Shimshillewitz. Und damit sind alle Voraussetzungen für eine muslemisch-jüdisch-christlich-atheistisch-buddhistisch-bahaistische Komödie gegeben.

Aktuell gibt es keinen Lösungsansatz, den Konflikt im Nahen Osten zu entschärfen. Die Worte und Taten der Politiker helfen nicht weiter. Vielleicht versuchen sie es einmal mit Witz und Ironie. EIn gemeinsamer Kinobesuch von ALLES KOSCHER wäre ein guter Start.

Wertung: kann man sich ansehen

Der Mandant

von Brad Furman - USA 2011 - 119 Min.

Justiz-Thriller nach einer Vorlage von Michael Connelly. Ein L.A.-Anwalt mit etwas außergewöhnlichen Methoden gerät an einem Mandanten, der sich ebenfalls außergewöhnlicher Methoden bedient. Diese beiden Hauptrollen sind mit Matthew McConaughey und Ryan Phillippe glänzend besetzt. Ebenfalls William H. Macy, als Privatermittler, der für den Anwalt arbeitet und leider viel zu früh auf der Strecke bleibt. Das Schicksal teilt er mit anderen Personen und leider auch mit der Logik bei der Auflösung der Geschichte.

Wertung: kann man sich ansehen

Das Blaue vom Himmel

von Hans Steinbichler - D 2010 - 99 Min.

Familiendrama. Die Tochter (Juliane Köhler) muss sich um ihre pflege- und betreuungsbedürftige Mutter (Hannelore Elsner) kümmern. Gefühlsschwankungen und irritierende, verstörende Erinnerungs-Schübe führen dazu, das es um die Familie ein Geheimnis gibt, das nun endlich zur Sprache kommen muss. Das Drama begann in den Dreißiger Jahren in Lettland und endet (heute) auch dort.

Fernsehfilm mit vielen Nahaufnahmen, die alle Schwächen der Geschichte und ihrer Inszenierung schonungslos aufdecken. Den FIlm sollte man besser nicht im Kino sehen, sondern auch die Fernsehausstrahlung warten - immerhin sind WDR, ARD, BR und arte beteiligt. Und wenn dann der TV-Termin ist, kann man noch auf ein anderes Programm umschalten oder sich im Kino einen anderen (besseren) Film ansehen.

Wertung: hervorragend

Metropolis

von Fritz Land - D 1927 - 145 Min.

Dieser Film (in neuer Fassung) ist ein unbedingtes MUSS! Aber eigentlich ist ja sowieso selbstverständlich, sich die neu rekonstruierte Version in ihrer Dolby-Digital-Mischung auf der Leinwand anzusehen. Die Musik hat sich verselbständigt: Als Studioproduktion des Rundfunk-SInfonieorchesters unter der Leitung von Frank Strobel auf CD bei Capriccio. Wer Film UND Musik erleben möchte und noch keine Reisepläne hat, hier die Termine der European Film Philharmonic: 23.Mai in Moskau, 27. Mai in Stuttgart, 29. Mai in München und 5. Juni in der Mailänder Scala!

Wertung: kann man sich ansehen

Scream 4

von Wes Craven - USA 2011 - 106 Min.

"Scream" schreibt Mediengeschichte(n): Teil 1 spielte in den Videotheken, Teil 2 im Kino und Teil 3 in der Filmproduktion. In Teil 4 steht die Webcam im Mittelpunkt. Der Rest ist bekannt. Die Eingangsfrage "Was ist dein Lieblingshorrorfilm?" kann ich schnell beantworten: "Sream 4" ist es nicht! Der Film hat allerdings sehr viel hübsche Mädchen und Frauen anzubieten. Leider sterben einige von ihnen zu früh!

Wertung: sollte man gesehen haben

Der Name der Leute

von Michel Leclerc - Frankreich 2010 - 104 Min.

"Fasten auf italienisch" (siehe unten) in einer anderen Version. Auch hier geht es um die kulturelle/politische Integration, um Selbstwertgefühl, Anerkennung und Respekt. Er (Arthur) will seine jüdische Herkunft verbergen; sie (Bahia) betont ausdrücklich ihre arabischen Wurzeln. Die jeweiligen Eltern/Großeltern kommen von überall her.

Der Clou des Films. Bahia schläft mit politisch rechts stehenden Männern, um sie ideologisch umzudrehen. Und als sie den bekennenden Linkswähler Arthur völlig vereinnahmt und dessen Leben durcheinander wirbelt, ist der Plot für eine charmante und irrwitzige Komödie gegeben. Wie in einem Mosaik aus bunten Gläsern setzt sich nach und nach ein Bild der Gegenwart zusammen, das den Zuschauern interessante und aufschlussreiche Perspektiven anbietet und Einblicke verschafft. Die Hauptdarstellerin Sara Forestier allein macht den Film sehenswert.

Wertung: kann man sich ansehen

The Fighter

von David O. Russell -USA 2010 - 117 Min.

Obwohl der Film auf der wahren Geschichte des Boxweltmeisters Miicky Ward und seines Halbbruders Dicky basiert, ist "The Fighter" mehr ein überzeugendes, authentisch wirkendes Sozialdrama als ein Boxerfilm der handelsüblichen Sorte. Hervorragend besetzt in den Haupt- und Nebenrollen - allen voran Mark Wahlberg und Christian Bale als Protagonisten im Spannungsfeld zwischen familiärem Zusammenhalt und sportlicher Karriere.

Wertung: hervorragend

Winter

s Bone" von Debra Granik - USA 2010 - 100 Min.

Bei der Berlinale 2010 war dieser Film mein hoher Favorit, siehe unten die Berichterstattung. Nun kommt er endlich in die Kinos und kann nur dringend raten, sich ihn anzusehen. Wer Zeit hat, sollte auch da jetzt erschienenen Buch von Daniel Woodrell "Winters Knochen" lesen (Verlagsgesellschaft Liebeskind, München 2011).

Wertung: sollte man gesehen haben

Alles, was wir geben mussten

von Mark Romanek - USA 2010 - 103 Min.

Ein Horrorfilm ohne sattsam bekannte Genrebilder. In einer Parallelgesellschaft werden Kinder und Jugendliche herangezogen, die später einmal als "Ersatzteillager" dienen sollen. Ihre Lebenszeit ist begrenzt; älter als 30 werden sie nicht. Vorlage des Films ist der Science-Fiction-Bestseller "Never let me go" von Kazuo Ishiguro, der auch am Drehbuch beteiligt war.

Ein sehr intensiver, hochkonzentrierter Film, der aus der Sicht der Protagonistin Kathy erzählt wird - eine überragende Leistung von Carey Mulligan, die sich in den letzten Jahren in die erste Reihe der Darstellerinnen im Film, im Fernsehen und auf der Bühne gespielt hat.

Wertung: ärgerlich

Kottan ermittelt

von Peter Patzak - Österreich 2010 - 110 Min.

Als Fan der TV-Filme (die leider am Ende immer schwächer und beliebiger wurden) habe ich mich sehr auf dieses Wiedersehen gefreut. Inzwischen sind 27 Jahre vergangen. Nichts spricht gegen eine Neuauflage, auch wenn vieles geändert werden muss. Leider ist die Enttäuschung sehr groß: Die Dialoge greifen nicht mehr und die Gags sind mehr als aufgesetzt und überzogen. Es ist weitaus besser, Lukas Resetarits so in Erinnerung zu behalten, wie er noch in der DV-Edition zu sehen ist. Bei EuroVideo sind 19 "Fälle" bestellbar. Der missglückte Kinofilm ist ein denkbarer Anlass, die alten Filme zu genießen.

Wertung: kann man sich ansehen

Das Schmuckstück

von Francois Ozon - F 2010 - 104 Min.

Die Gattin, das Schmuckstück, eines erfolgreichen und angesehenen Geschäftsmannes hatte früher einmal ein Verhältnis mit einem Arbeiter der nun als Politiker für die Kommunistische Partei aktiv ist. Als sie in einer Situation ist, in der sie die Leitung des streikbedrohten Familienbetriebes übernehmen muss, kreuzen sich ihre Wege wieder.

Verfilmtes Boulevard-Theater, das von der werbewirksamen Attraktion zweier bekannter Stars lebt und die man gerne einmal wieder aus der Nähe betrachten möchte. Der Film spielt Ende der 70er Jahre. So sieht er auch aus und dort gehört er auch hin.

Wertung: sollte man gesehen haben

Almanya

von Nesrin und Yasemin Samdereli - D 2011 - 97 Min.

(Pressesperre bis 20. Febr. 2011)

Nachtrag: Über den FIlm ist ausreichend berichtet worden. Nur positiv.

Also: hingehen und sich wohlfühlen.

Wertung: kann man sich ansehen

The Rite / Das Ritual

von Mikael Hafström - USA 2010 - 113 Min.

Ein junger, noch zweifelnder Priesterseminarist trifft in Rom auf einen vomTeufel besessenen Exorzisten. Geisterbahn-Kino ohne nennenswerte Überraschungen. Anthony Hopkins spielt den "Pater Lucas" so wie ein Kannibale, der sich selbst zerfleischt. Seine Fans werden ihre helle Freude haben.

Wertung: nicht zu empfehlen

In der Welt habt ihr Angst

von Hans W. Geißendörfer - D 2010 - 110 Min.

Von Geißendörfer schätze ich seine frühen Filme wie "Jonathan", "Sternsteinhof" oder "Der Zauberberg". In den letzten Jahren hat man von ihm keine atemberaubenden Kinofilme mehr gesehen. Die Erwartungen bei diesem Film sind entsprechend hoch - und werden leider nicht erfüllt. Die tragische Love-Story über eine Studentin und einen Musiker, die "mit aller Gewalt" versuchen, ihre Drogenabhängigkeit durch Entzug zu überwinden und in Neuseeland ein neues Leben starten wollen, ist keine Bereicherung der deutschen Filmszene. Was zum Teufel "wollte uns der Künstler damit sagen"?

Wertung: kann man sich ansehen

Engel des Bösen

von Michele Placido - Italien 2010 - 125 Min.

Ein "französischer Krimi" aus Italien, der sich an der Biographie des Gangsters Renato Vallanzasca orientiert. Er übernahm in den 70er Jahren mit seiner Bande die Kontrolle über die Mailänder Unterwelt. Zur Legende wurde er durch mehrfache Gefängnisausbrüche und durch seinen Charme, mit dem er Erfolg bei Frauen hatte. Viel Action und wenig Psychologie. Der Film schafft es nicht, den Charakter dieses "Staatsfeindes" überzeugend aufzuschlüsseln. Als x-beliebiger Krimi sehenswert, da illustre Typen und schöne Frauen ausreichend Unterhaltung bieten.

Wertung: hervorragend

Pina

von Wim Wenders - D 2011 - 100 Min.

(Pressesperre bis zum Start auf der Berlinale 2011)

Wertung: sollte man gesehen haben

Der ganz grosse Traum

von Sebastian Grobler - D 2011 - 110 Min.

Daniel Brühl als junger Lehrer Konrad Koch, der 1874 in einem deutschen Gymnasium Englisch unterrichtet und ihnen das Fußball-Spielen beibringt. Mit seiner unkonventionellen Art macht er sich Feinde bei seinem Kollegen und Vorgesetzten. Mit Fantasie und Entschlossenheit schafft er es, zunehmende Begeisterung für das Spiel zu wecken.

"Der ganz grosse Traum" ist kein "Sportfilm", sondern vielmehr ein Porträt der Schule und Erziehungsmethoden im deutschen Kaiserreich. Hier wird die Geschichte so erzählt, als sei es der kleine Ball gewesen, der in Deutschland eine Revolution ausgelöst und die Gesellschaft total verändert hat. Die Obrigkeit knickte um ... usw. usf. Da hat sich der Film leider übernommen. SO groß war der Traum nun auch wieder nicht. Diese überflüssige Pointe schmälert allerdings nicht den Unterhaltungswert des Films, in dem sich ansonsten hervorragende Charakterdarsteller wie Burghard Klaußner leider hinter falschen Bärten verstecken müssen. .

Wertung: kann man sich ansehen

Gullivers Reisen

von Rob Letterman - USA 2010 - 90 Min.

Eine 3D-Variante des Romanklassikers als Realverfilmung mit Jack Black in der Titelrolle. Der Stoff bietet sich geradezu für ein solches Projekt an und ist auch gelungen. Besonders überzeugend ist die Erweiterung der Handlung um einige witzige Episoden am Anfang der Handlung und während des Aufenthaltes im Lande der Riesen; beispielsweise dann, wenn sich Gulliver im Puppenkleidchen und in einer Puppenstube den Launen eines missgelaunten und nervigen Mädchens fügen muss.

Wertung: sollte man gesehen haben

Kick Off Kirkuk

von Shawhat Amin Korki - Kurdistan/Japan 2009 - 82 Min.

Rechtzeitig zum Start der BL-Rückrunde erreicht uns ein Fussballfilm der besonderen Art. Das Mainstream-Kino ist vollgestopft mit Filmen, die ihre technischen Möglichkeiten um und mit jedem Preis präsentieren. Und es gibt auch Filme, die noch Geschichten erzählen, die beeindrucken und nachhaltig wirken. Im Mittelpunkt dieses Films steht ein verlassenes Fussballstadion in Kirkuk, eine multiethnische Stadt im Norden Iraks. Familien, die unter Saddam Hussein geflüchtet und nun wieder zurückgekehrt sind, haben hier Zuflucht gefunden. Einige von ihnen, die ihren Lebensmut und ihren Optimismus nicht verloren haben, organisieren unter äußerst schwierigen Umständen ein Fussballspiel zwischen kurdischen und arabischen Kindern. Doch dieser Plan scheitert an der Lebensrealität einer Stadt, die nicht zuletzt auch zum Albtraum des Filmteams wurde.

"Kick Off Kirkuk" hat keine werbeträchtigen Stars und kein hohes Budget für den Verleih des Films. Er ist daher auf die direkte Empfehlung von Zuschauern angewiesen, die mehr sehen wollen als die handelsübliche Ware wie das ärgerliche Produkt namens "The Tourist".

Wertung: hervorragend

Die Kinder von Paris

von Rose Bosch - Frankreich 2010 - 115 Min.

Ein Film wie ein Hammer. Ein für die Franzosen unangenehmes und verdrängtes Thema als Plot eines Kinofilms, der sich mehr zutraut als auf Mainstream und Digitaleffekte zu setzen. Es geht um die Massenrazzia im Großraum Paris am 16. Juli 1942; 28.000 Juden wurden verhaftet und von Transitlagern aus in den Osten deportiert. Die französische Polizei erwies sich als williger Helfer der deutschen Militärbefehlshaber.

Der Film stellt das authentische Schicksal eines kleinen Jungen in den Mittelpunkt und zeigt neben den emotional aufgeladenen und erregenden Bildern von dem Leid der Opfer auch die Hilfsbereitschaft jener Menschen, die ihren jüdischen Landsleuten zur Seite standen. Lob an Regie und Buch (Rose Bosch), an die "Stars" Jean Reno und Mélanie Laurent" und vor allem an Olivier Carbone und Agathe Hassenforder für ihr (Kinder-)Casting.

Wertung: kann man sich ansehen

Tucker & Dale vs. Evil

von Eli Craig - USA 2010 - 89 Min.

Splatter-Komödie mit dem bekannten Personal: Zwei Hillibillie-Typen (Tucker & Dale) treffen in der Wildnis West Virginias eine Gruppe von Collegekids. Eigentlich wollten alle abhängen und sich eine schöne Zeit machen. Doch es kommt zu Missverständnissen, die ein Blutbad auslösen. Fast alle gehen drauf - natürlich nicht das Final Girl. Und noch ein Hinweis: Die mit der Kettensäge sind die Guten!

Schon ein Publikumserfolg beim Fantasy-Filmfest 2010.

Wertung: sollte man gesehen haben

Poll

von Chris Kraus - D/A/Est 2010 - 133 Min.

Endlich mal wieder ein Film, der im Kino die vollen Möglichkeiten der Leinwand nutzt und den man nicht nur auf dem Bildschirm sehen möchte. Hinzu kommt,dass "Poll" eine sehr Genre sichere Produktion (historisches Drama) ist, und eine nicht alltägliche Geschichte aus der deutschen Vergangenheit erzählt. Es geht um ein 14-jähriges, künstlerisch hochbegabtes Mädchen, das im Sommer 1914 im deutsch geprägten, zum russischen Kaiserreich gehörenden Baltikum einem estnischen Anarchisten begegnet und ihn vor den Soldaten und ihrer eigenen Familie versteckt.

Der Film basiert lose auf den Memoiren der Berliner Autorin Oda Schaefer (1900 - 1988) und schlägt ein fast vergessenes, faszinierendes Kapitel der europäischen Geschichte auf."Poll" ist eine der ehrgeizigsten und aufwendigsten europäischen Filmproduktionen des Jahres, deren enorme logistische Herausforderungen nur mit Hilfe von insgesamt 24 nationalen und internationalen Fernsehredaktionen und Filmförderern als Partner realisiert werden konnte.

Unbedingt ins KINO gehen!

Wertung: kann man sich ansehen

I Killed My Mother

von Xavier Dolan - Kanada 2009 - 100 Min.

Der als "kanadisches Wunderkind" bezeichnete Filmemacher Xayvier Dolan schrieb den Film im Alter von 17 Jahren und drehte ihn dann mit 19. Sein Film über die Hassliebe zu seiner Mutter wurde ein Festivalerfolg. Es ist einer dieser Filme, in denen sich Homosexuelle intensiv mit der Mutter(Rolle) auseinandersetzen. Um das nachvollziehen zu können, fehlen mir leider die Voraussetzungen. Was mich für den Film einnimmt ist seine schonungslose Offenheit - auch sich selbst gegenüber. Ein Coming-of-age-Film von überzeugender Authentizität.

(Februar 2011)

Wertung: sollte man gesehen haben

Das Lied in mir

von Florian Cossen - D/Argentinien 2009 - 92 Min.

Immer dann, wenn der deutsche Film die Kanten der Beziehungskisten überspringt und seine Stoffe im Ausland sucht und findet, darf man gespant sein. Zuletzt haben Filme wie "Dr. Aleman" oder "Same Same But DIfferent""

die Erwartungen eingelöst und überzeugt. Hier geht es um eine 31-jährige Frau aus Deutschland, die bei ihrem Flug nach Chile in Buenos Aires einen unvorhergesehenen Zwischenstopp einlegen muss und dabei mit den dunklen und nicht bekannten Seiten ihrer eigenen Biographie konfrontiert wird, die eng mit den Zeiten der argentinischen Militärdiktatur verbunden ist. Ihr Vater reist ihr nach, verstrickt sich aber in immer neue Lügen über die Herkunft seiner Tochter.

Die schauspielerischen Leistungen von Jessica Schwarz und Michael Gewisdek werden nur noch durch das hervorragende Casting der argentinischen Darsteller übertroffen. Zu Recht wurde dieser Film mit mehreren Preisen und Auszeichnungen bedacht. Obwohl es sich hier um eine TV-Produktion handelt, ist dies auch ein Film für ein Kino-Publikum.

Wertung: kann man sich ansehen

Black Swan

von Darren Aronofsky -USA 2010 - 110 Min.

In "The Wrestler" baute der Regisseur Darren Aronofsky den fast vergessenen Mickey Rourke zu einem brutalen Muskelpakte auf; hier formt er die vielseitige Natalie Portman zu einer Primaballerina im New York City Ballet um, deren leidvolle und selbstzerstörerische Karriere mehr und mehr mit ihrer zu meisternden Rolle des Sterbenden Schwans in "Schwanensee" übereinstimmt. Eine Geschichte voller Obsessionen bietet gepflegte, unaufgeregte Unterhaltung mit einer beachtlichen Anzahl spielfreudiger Damen: Natalie Portman, Mila Kunis, Barbara Hershey und Winona Ryder. Vincent Cassel als charismatischer Ballettdirektor hat hier die beneidenswerte Qual der Wahl.

Natalie Portman, die hier an die Grenzen ihrer körperlichen Möglichkeiten geht, ist grandios!

Wertung: kann man sich ansehen

Fasten auf italienisch

von Olivier Baroux - F 2010 - 102 Min.

"L'Italien" ist eine lockere und leichte Komödie mit dem französischen Schauspieler Kad Merad, der durch seine Rollen in "Willkommen bei den Sch'tis", "Die Kinder des Monsieur Mathieu" und "Der kleine Nick" auch dem deutschen Publikum noch in bester Erinnerung ist. Hier spielt er einen lebenslustigen Italiener, der in Wirklichkeit aus einer arabischen Familie kommt, die in Marseille lebt. Weder sein Chef noch seine Freundin ahnen etwas von seinem Doppelleben. Als sein erkrankter Vater ihn bittet, den Ramadan an seiner Stelle zu begehen, beginnt die Fassade zu bröckeln. Denn für den Araber ist Fasten ja kein Problem, für einen Italiener schon.

Ein Film mit Witz und Tempo, der geschickt mit Vorurteilen und Klischees spielt.