Porträt Horst Schäfer

Kinotipps 2012

75 Besprechungen aus dem Jahr 2012.

Wertung:
Wertung: hervorragend

Life of Pi

von Ang Lee - USA/China 2012 - 125 Min.

Protagonist des Films ist Piscine Molitor Patel, genannt „Pi“, der in den 70er Jahren im indischen Pondicherry aufgewachsen ist. Seinem Vater gehört ein Zoo. Infolge wirtschaftlicher Probleme beschließt die Familie nach Kanada auszuwandern. An Bord des japanischen Frachters befinden sich auch einige Zoo-Tiere, die sie später verkaufen wollen. Das Schiff gerät in einen gewaltigen Sturm und sinkt. Nur der 17-jährige Pi überlebt in einem Rettungsboot – das er sich jedoch mit einem ausgewachsenen bengalischen Tiger teilen muss. Verloren in der Weite des Meeres entsteht eine erstaunliche und unerwartete Verbindung zwischen den Schiffbrüchigen. Die beiden lernen, miteinander zu leben.

Es gibt Geschichten, die nur das Kino erzählen kann: solche, die sich über die Bilder erschließen und nicht über Dialoge bewegt werden. Das ist einer von diesen sagenhaften, unvergesslichen Filmen, die intensiv wirken und sich nachhaltig in die Netzhaut einbrennen.

Den Bestseller von Yann Martel habe ich nicht gelesen. Für viele ist es ein Kultroman, den man nicht verfilmen kann. Das muss man so akzeptieren. Die faszinierenden, atemberaubenden Bilder des Films lassen sich demgegenüber nicht mit Worten beschreiben.

Den Film muss man SEHEN, evtl. zwei- oder dreimal und nach Möglichkeit in 3D.

Wertung: hervorragend

Weil ich schöner bin

von Frieder Schlaich - D 2012 - 81 Min.

Beim aktuellen Angebot an Kinder- und Jugendfilmen nerven mich vor allem die Filme, die sich an erfolgreiche Bücher ranschmeißen und auch nicht davor zurückschrecken, den dritten oder vierten faden Aufguss auf den Markt zu bringen. Originäre Filmstoffe haben es da sehr schwer, sich Raum und Resonanz zu verschaffen. "Weil ich schöner bin" gehört zu den Filmen, die man unbedingt sehen muss - allein schon, um zu erfahren, wie es auch anders geht. Die Geschichte eines 13-jährigen Mädchens aus Kolumbien, dass sich illegal in Berlin aufhält und darum kämpft, ein Leben wie andere Teenager führen zu können, ist realitätsnah und altersgerecht aus der Perspektive der Protagonistin erzählt. Im Gegensatz zu vergleichbaren Filmen wird auf Klischeefiguren und verzuckerte Problemlösungen verzichtet. Respekt und Anerkennung für alle Beteiligten.

Wertung: sollte man gesehen haben

Die Vampir Schwestern

von Wolfgang Gross - D 2012 - 97 Min.

Nach den gleichnamigen Kinderbuch-Bestsellern von Franziska Gehm.

Die 12-jährigen Mädchen Silvania und Dakaria sind Halbvampir-Schwestern. Die lebensfrohe Mutter ist Deutsche; der geheimnisvolle Vater stammt aus Transsilvanien. Der Umzug der Familie von dort in eine deutsche Kleinstadt setzt die Handlung in Gang, die sich locker und amüsant präsentiert. Hervorragend besetzt in denn Titelrollen mit Marta Martin und Laura Roge; auch die Erwachsenen sind treffsicher ausgesucht: Christiane Paul und Stipe Erceg. Wäre der Vampir-Film ein bei unseren Produktionen ein gängiges Genre, so dürften dem letztgenannten Darsteller auf Jahrzehnte hinaus Rollenangebote sicher sein.

Leider kommt auch dieser Film bei der Zeichnung der Figuren (Nachbarn, Lehrerin, Hausmeister etc.) nicht ohne die gängigen Klischees aus. Ich mag es nun mal nicht, wenn Filmfiguren einfach so der Schadenfreude preisgegeben werden. Hier in diesem Film hätte man gut und gerne darauf verzichten können.

Wertung: nicht zu empfehlen

Red Dawn

von Dan Bradley - USA 2012 - 93 Min.

So etwas passiert, wenn die starken und stolzen Amerikaner von einem Weichei wie Obama regiert werden: Die Nordkoreaner beherrschen die Welt. Sie greifen sogar die USA an und besetzen Teile des Landes. Genauer: Spokane, eine normale Kleinstadt im US-Bundesstaat Washington. Eine Handvoll Jugendlicher Heldinnen und Helden nimmt den Kampf gegen die scheinbar übermächtigen Invasoren auf und rettet die Staaten und die Welt. Der Film ist ein zeitgemäßes Remake von John Milius' streitbarem Werk "Die rote Flut" von 1984. Damals gab es noch öffentliche Proteste gegen so eine Hasspredigt auf der Kinoleinwand. Heute regt sich wahrscheinlich niemand mehr darüber auf. Gut so!

Wertung: sollte man gesehen haben

Der Hobbit

von Peter Jackson - USA 2012 - 166 Min.

Zugegeben: Tolkins Fantasy-Romane habe ich nicht gelesen. Auch die Verfilmungen von "Der Herr der Ringe" hat mich nicht sonderlich beeindruckt. Überbordende Technik setzt bei mir nicht Phantasie frei, sondern blockiert sie - und das mag ich nicht. Wer sich aber vom aktuellen Leistungsstandard der Film- und Kinotechnik überzeugen möchte, sollte sich hiervon ein persönliches "Bild" machen. Jackson drehte die drei "Hobbit"-Filme in 3D und mit 48 Einzelbildern pro Sekunde - das ist so, wie die HD-Erweiterung beim TV. Teil 2 folgt am 12.12.2013; Teil 3 am 17.07.2014. Vielleicht ausreichend Zeit für mich, die Bücher zu lesen.

Wertung: sollte man gesehen haben

Anna Karenina

von Joe Wright - GB/F 2012 - 130 Min.

Der Klassiker von Tolstoi ist immer wieder neu zu entdecken bzw. zu erleben. Drehbuch (Tom Stoppard) Regie, Ausstattung, Musik und ein Starensemble schaffen hier einen theatralischen "Kunstraum", in dem sich die russische High Society in Tanz und Taumel so selbstsicher bewegt, dass immer neue Schichten des Historiendramas erkennbar werden. Der Hauptdarstellerin Keira Knightley gelingt es, den fortschreitenden Verfall ihres Charakters hautnah-spürbar zu vermitteln. Über das reine Geschehen hinaus sind es aber immer wieder die faszinierenden Bild- und Szenenwechsel, mit denen der Film die Zuschauer in Atem hält. Ein zeitloser Film - bis zur nächsten eigenwilligen Adaption zumindest.

Wertung: nicht zu empfehlen

7Psychos

von Martin McDonagh - USA/GB 2011 - 109 Min.

Hier wollte jemand mit aller Gewalt einen "durchgeknallten" Film drehen, der sich an einschlägigen Kultfilmen orientiert und sich zur Absicherung eines hochkarätigen Ensembles bedient. Herausgekommen ist ein wirres Durcheinander, das ermüdet und langweilt.

Schade, denn die Erwartungen waren nach "Brügge sehen ..." entsprechend hoch.

Wertung: hervorragend

Parked - Gestandet

von Darragh Byrne - Irland/Finnland 2011 - 95 Min.

Fred lebt in seinem Auto auf einem Parkplatz an der Dubliner Küste. Er ist aus dem sozialen Netz gefallen: ohne feste Adresse keine Arbeit, ohne Arbeit keine feste Adresse. Irgendwie hat er sich damit arrangiert. In dem jungen Junkie Cathal hat er plötzlich einen neuen, zunächst nicht willkommenen Nachbarn, der ihm neue Perspektiven bietet. Aus der Nachbarschaftshilfe der beiden Gestrandeten entwickelt sich eine ungewöhnliche Männerfreundschaft. Fred fühlt sich ermutigt, den Kontakt zu einer verwitweten Musiklehrerin aufzunehmen, aber Cathal bekommt seine Probleme mit den Drogen und dem damit verbundenen kriminellen Milieu nicht in den Griff.

Colm Maney spielt Fred - und das allein ist ein Grund, den Klasse-Schauspieler bei der Ausformung seines Charakters zu beobachten. Dazu bedarf es nicht vieler Worte. Dialoglastigkeit kann man dem Film nicht nachsagen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Regie führt der Ire Darragh Byrne, der seit gut zwanzig Jahren Dokumentarfilme für das Fernsehen drehte. Das verschafft dem Film eine Nähe und Authentizität, wie man es sonst nur in en Filmen von Ken Loach findet. "Parked" erhielt mehrere Auszeichnungen und Preise, darunter auch den der Internationalen Jury beim Filmfestival Mannheim-Heidelberg 2011.

Wertung: nicht zu empfehlen

Huck Finn

von Hermine Huntgeburth - D 2012 - 99 Min.

Die Stoffe von Mark Twain sind so gut, dass mann sich verdammt anstrengen muss, um sie zu vergeigen. Hier ist es beispielhaft gelungen. August Diehl, Henry Hübchen, Andreas Schmidt, Michael Gwisdek, Peter Lohmeyer & Co sind hervorragende Komödianten im besten Sinne. Hier chargieren sie abaer wie auf der Anfängerbühne einer fahrenden Truppe aus dem Mittelalter. Knüppel aus dem Sack und draufhauen - ausgenommen Leon Seidel und Jacke Ido als Huck und Jim. Sie können nichts dafür, dass sie sich in einem Rahmen bewegen müssen, der aber auch alle Figuren und Charaktere der Lächerlichkeit preis gibt. Wer mehr mehr als ein halbes Dutzend Förderungsgremien benötigt und dazu noch die Hilfe einiger öffentlich-rechtlicher Fernsehsender, der weiß, dass niemand dem Drehbuch so richtig vertraut. Der Film startet zur Weihnachtswochen. Weitaus sinnvoller und entspannender sind da die vertrauten Wiederholungen im Nachmittagsprogramm des Fernsehens.

Wertung: kann man sich ansehen

Dredd

von Pete Travis - USA 2012 - 105 (?) Min.

Comic in 3D. Der Held - ein Judge, der richtet und vollstreckt - kämpft in einem gigantischem Wohnturm einer Mega City gegen eine brutale Drogenbaronin. An seiner Seite eine Azubi, die sich bewährt. Ein endloses Geballere, das auch in 3D nicht an zusätzlichem Gehalt gewinnt.

Da hatte doch "Die Hard" (USA 1987) mit Bruce Willis weitaus mehr Witz, Kreativität und Spannung. "Dredd" wird auch für die Fans der Comic-Vorlage enttäuschend bleiben, da erstaunlicherweise der Held in zusätzlichen Dimensionen immer flacher wird.

Wertung: hervorragend

Argo

von Ben Affleck - USA 2012 - 120 Min.

Ein Polit-Thriller und ein Film im Film. Es geht um die Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran im November 1979 und um die Flucht von sechs Amerikanern in die kanadische Botschaft. Dort bleiben sie zunächst unbemerkt. Als es immer brisanter wird, können sie durch eine fingierte Filmproduktion und als Filmteam getarnt das Land verlassen. Obwohl der Ausgang der Geschichte bekannt ist, macht Affleck daraus einen hochprozentigen Thriller mit allen Schauwerten des Genres. Gekonnt ist die in dieser Version bislang einzigartige Verknüpfung mit der selbstironischen Darstellung Hollywoods. Das sorgt für eine amüsante Balance, die großes Vergnügen bereitet. "Argo" ist ein Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Wertung: kann man sich ansehen

Sister

von Ursula Meier - FR/Schweiz 2012 - 97 Min.

In einem Skigebiet lebt der 12jährige Simon vom Diebstahl. Er klaut den Touristen die Ausrüstung und verscherbelt sie im Dorf. Von den mühsam erzielten Erlösen versorgt er sich und seine aus der Bahn geratene ältere Schwester - oder ist e seine Mutter? Ein ungewöhnliche Pärchen, das sich hier bietet. Eine interessante Story, die leider einen Fehler hat: Der Film steigt irgendwo, irgendwann ein und hat somit keine Vorgeschichte.

In einer etwas größeren Nebenrolle Martin Compston, der in diesem Jahr auch die bemerkenswerte Hauptrolle in dem Gangsterdrama THE WEE MAN (siehe Fantasy Filmfest 2012) spielt.

Wertung: nicht zu empfehlen

Der deutsche Freund

von Jeanine Meerapfel - D/Ar 2011 - 104 Min.

Ein Film über die Freundschaft zwischen einem deutsch-jüdischen Mädchen, deren Familie 1936 nach Argentinien geflohen ist, und einem deutschen Jungen, dem Sohn geflohener Nazis. Die Geschichte zieht sich über ein Jahrzehnt hinweg und streift die deutsche-jüdischen Besonderheiten ebenso wie die Militärdiktatur in Argentinien. Hinzu kommen dann noch die Jahre der Studentenbewegung in Deutschland. Die Story wirkt wie auf einem Reißbrett konstruiert und die Personen müssen sich so entwickeln, damit sie möglichst viele der zeitgeschichtlichen Ereignisse in ihrer Biografie vereinen können. Eigentlich ein interessantes Thema - vom Plot ausgehend -, das aber durch die vorhersehbaren Abfolgen des Handlungsverlauf eher ermüdet als interessiert. Vielleicht war es für die Regisseurin wichtig, diesen Film gemacht zu haben. Die deutschen Schauplatze des Films wurden wahrscheinlich so gewählt, um möglichst viele regionale Filmförderungstöpfe anzuzapfen. Man merkst die Absicht und ist verstimmt!

Wertung: sollte man gesehen haben

Oh Boy!

von Jan Ole Gerster -D 2012 - 83 Min.

Niko lebt in Berlin - und in den Tag hinein. Er sucht nach seinem Platz in dieser Welt, streift durch die Stadt und erlebt einen Tag und eine Nacht (in einem Schwarz-weiß-Film), was dem Kaleidoskop der Stadt entspricht. Eine melancholische, selbstironische Tragikomödie, die dem schauspielerischen Potential des Hauptdarstellers Tom Schilling entspricht und ihn als Identifikationsfigur authentisch macht. Schilling ist im wahrsten Sinne des Wortes seit Jahren schon ein "Jung-Star"; gleich in der ersten Szene des Films sieht man ihn zusammen mit der überragenden Film-, TV- und Bühnenschauspielerin Katharina Schütter, die ebenso wie er schon als Jugendliche vor der Kamera stand.

"Oh Boy!" ist nicht vergleichbar mit den Schwabing-Filmen aus den 60er-Jahren wie "zur Sache,Schätzchen"; gemeinsam ist ihnen aber, jeweils ein originäres und zeittypisches Porträt eines Lebensgefühls zu vermitteln, das unaufdringlich daherkommt, aber nachhaltig wirkt. Jan Ole Gerster (Buch und Regie) hat nach einigen bemerkenswerten Kurzfilmen hier sein Spielfilmdebüt geliefert und zählt zu den Hoffnungsträgern eines neuen deutschen Films,der angenehm von dem Schema der Betroffenheits- oder Beziehungskisten-Filme abweicht.

Wertung: sollte man gesehen haben

Die Vermessung der Welt

von Detlev Buck - D 2012 - 110 Min. (?) 3D

Wahrscheinlich gehöre ich zu den wenigen Menschen, die den Bestseller von Daniel Kehlmann nicht gelesen haben. Daher ist ein Vergleich zwischen Buch und Film nicht möglich - muss aber auch nicht immer sein. Von dem Film jedenfalls war ich sehr angetan, obwohl er mit der chronologisch ineinandergreifenden Parallelgeschichte von dem in der Heimat verbliebenen Mathematiker Gauß und dem weitgereisten Naturforscher von Humboldt dem Zuschauer viel abverlangt. Für einzelne Charaktere neben den beiden Protagonisten bleibt nicht viel Spielraum und ein irritierender Zeitsprung zum Ende des Films hin lässt einige Fragen offen. Neben der bestechenden Bildgestaltung von Slawomir Idziak sind es vor allem die Hauptdarsteller Florian David Fitz und Albrecht Abraham Schuch, die nachhaltig erinnerlich bleiben.

Wertung: kann man sich ansehen

96 Hours - Taken 2

von Olivier Megaton - USA 2012 - 91 Min.

Liam Neeson als pensionierter CIA-Agent hat seine Tochter aus den Fängen brutaler Mädchenhändler befreit. Dabei wurde ein Albaner getötet und der Vater sinnt auf Rache. Die Familie trifft sich in Istanbul zu einem gemeinsamen Kurzurlaub. Dann werden Frau und Tochter des Agenten entführt und die genreübliche Hatz folgt. Diesmal zur Freude des Zuschauers mehr auf den Dächern als in den engen Gassen. Der Schauplatz ist der Star - die Handlung ist vorhersehbar. Liam Neesen wird nicht sonderlich gefordert.

Wertung: sollte man gesehen haben

Looper

von Rian Johnson - USA 2012 - 118 Min.

Joseph Gordon-Levitt und Bruce Willis teilen sich die Titelrolle des Looper. Der variationsreiche Actionthriller spielt in nicht mehr allzu ferner Zukunft des 21. Jahrhunderts. Die Mafia regiert die Welt. Wenn sie jemanden loswerden wollen, schicken sie ihn kurzerhand 30 Jahre zurück in die Vergangenheit, wo ein Looper - ein Auftragskiller - auf ihn wartet und das Problem mit einer Schusswaffe löst. Doch irgendwann trifft der Looper von heute den von morgen - so wie der flugbegeisterte Genscher, der sich selbst in der Luft begegnete. Der Film bietet ein rasantes Hin und Her, Vor und zurück. Das Publikum muss sich schon konzentrieren, um der Widergänger-Logik folgen zu können. Aber diese Anstrengungen werden durch das intelligente Spiel der beiden Hauptdarsteller belohnt.

(06.-13.09.2012)

Wertung: sollte man gesehen haben

Fantasy Filmfest Fear Good Movies

im Cinedom Köln

Alle Jahre wieder! Auch diesmal ein Grund, die Tage im Kalender vorzumerken und freizuhalten. Leider war ich am Anfang verreist und konnte diesmal nur einige Filme aus dem Angebot der letzten Tage sehen.

KILLER JOE (USA 2011, Regie: William Friedkin) hat einen außergewöhnlichen Titelhelden: Ein Cop, der sich als Killer verdingt; ein zwiespältiger Charakter mit undurchschaubaren, rätselhaften Verhaltensmustern. Er wird engagiert, um durch den Auftragsmord an eine Frau deren Restfamilie eine Erbschaft zu sichern. Das alles spielt im Milieu der Kleinkriminellen und Drogendealern. Messerscharfe Dialoge und aufreizende sexuelle Szenen machen diesen Film besonders bemerkenswert.

BRAKE (USA 2012, Regie: Gabe Torres) ist demgegenüber vergleichsweise konventionell. Es geht - ähnlich wie in "Buried" um einen Mann, der in der klaustrophobischen Enge einer Plastiktruhe ums Überleben kämpft. Aber diese befindet sich nicht unter der Erde, sondern in einem Auto mit merkwürdigem Fahrverhalten. Die Auflösung ist nicht der Rede wert, aber Stephen Dorff beweist hier wieder einmal mehr seine Eignung für herausfordernde Rollen.

LES LYONNAIS / A GANG STORY (F/B 2011, Regie: Oliver Marchal). Ein Film in allerbester französischer Krimi-Tradition. Es geht um zwei Jugendfreunde und deren Aufstieg von Kleinkriminellen zu erfolgreichen Gangsterbossen. Es geht auch um Freundschaft und Verrat und um die Balance zwischen zwei Blutsbrüdern, die durch undurchschaubare und unvorhersehbare Vorkommnisse empfindlich gestört wird. Inspiriert wurde der Film durch die Memoiren des französischen Gangsters Edmond Vidal. Hautnaher und realistischer geht es nicht. Früher hätten Jean Gabin und Lino Ventura die Hauptrollen gespielt.

THE WEE MAN (GB 2012, Regie: Ray Burdis). Es geht um die Geschichte von Paul Ferris, der in den 60ern im berüchtigten Arbeiterviertel Black Hill aufwächst und zum gefürchtetsten Mann Glasgow wird. Ein hammerharter Film mit Martin Compston in der Hauptrolle. Damit spielt er sich in die erste Liga der europäischen Filmschauspieler. Es gibt, keinen weiteren Film mit ihm zu versäumen.

THE CAT (Südkorea 2011, Regie: Seung-wook Byen). Ein Horrorfilm, in dem sich die Katzen nicht mehr länger alles gefallen lassen. Sie schlagen zurück - so wie einst die Vögel bei Hitchcock. Egal, ob man Katzen liebt oder sie hasst: jeder wird in seinen Vorurteilen bestätigt.

THE AWAKENING (GB 2011, Regie: Nick Murphy). GB 1921. In einem abgelegenen Knabeninternat spukt es. Genau das richtige Ambiente für wohldosierten Grusel und der richtige Ort für den Auftritt einer Geisterjägerin, die von allen guten Geistern verlassen und von bösen gejagt wird. Mit Rebecca Hal und Dominic West in den Hauptrollen hervorragend besetzt.

GRABBERS (GB/IR 2012, Regie: Jon Wright). Ausgerechnet eine traumhaft schöne irische Insel ist der Landeplatz für riesige, krankenähnliche Aliens, die gerne Menschen verzehren und Dinge zerstören. Doch die Iren wissen, wie man diese blutsaugenden Wesen bekämpft und vernichtet: mit Whiskey, Guinness und selbstgebrautem Schnaps - je hochprozentiger, desto wirkungsvoller. "Slainte! Auf die Sieger!" Nicht versäumen, ins Kino zu gehen und anschließend in den Pub.

A CHINESE GHOST STOY (China/Hongkong 2011, Regie: Wilson Vip. Dort, wo "A Chinese Ghost Story" drauf steht, ich auch eine drin. Hier sind die Dämonen weiblich und wieder einmal mehr beweist es sich, dass Männer sich nicht in Dämonen verlieben sollen. Ein Upgrade des Filme aus den 80ern.

Muss man aber nicht unbedingt sehen - es sei, die Augen brauchen Bewegung.

THE BAYTOWN OUTLAWS (USA 2012, Regie: Barry Battles). Nichts verraten! Hineingehen! Alle Voraussetzungen für einen Kultfilm.

Wertung: sollte man gesehen haben

Wir wollten aufs Meer

von Toke Constantin Hebbeln - D 2012 - 116 Min.

Dieser Film beweist, dass das aktuelle deutsche Kino weitaus mehr zu bieten hat als belanglose Komödien oder uninteressante Beziehungsgeschichten. Es geht um das Schicksal von zwei befreundeten Männern. Die Handlung setzt ein in Rostock 1982. Das große Ziel ist: hinaus aufs Meer und von da aus raus aus der DDR. Doch irgendwie bekommt die Stasi die Fluchtpläne mit und es drängt sich der Verdacht auf, dass der Fluchtplan verraten wurde. Das repressive System schafft es, dass aus Freunden Feinde werden. Die Geschichte des Films erstreckt sich über einen Zeitraum von beinahe zwanzig Jahren und leistet einen beachtlichen Beitrag zu zeitgeschichtlichen Produktionen. Eine Bereicherung in vielfacher Hinsicht.

Wertung: hervorragend

Angel

s Share" von Ken Loach - UK u.a. - 101 Min.

Kaum ein anderer Regisseur versteht es so wie Ken Loach, aus kleinen Geschichten, besetzt mit unbekannten Darstellern, große emotional fesselnde Filme zu machen. Bereits vor über 40 Jahren waren Filme wie "Kes" und "Family Life" stilbildend für die nachfolgenden Generationen der Filmemacher.

"Angel's Share": das ist der bei der Lagerung von Whisky zu verzeichnende Schwund - ein prozentual geringer Anteil - , der liebevoll als "Schluck für die Engel" bezeichnet wird. In diesem Film profitieren aber nicht die Engel von verschwundenem Whisky, sondern eine kleine Gruppe von Outsidern, die wegen kleiner Vergehen zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt wurden und sich dabei kennenlernten. Und da die Story nun einmal in Schottland und nicht in Monaco spielt, kann der große Coup nur darin bestehen, in den Highlands das Fässchen mit dem teuersten Malt Whisky der Welt aufzuspüren, denn ein paar Flaschen davon könnte ihnen allen eine sorgenfreie Zukunft bescheren.

Ken Loach hat eine wunderbare, geistreiche und beschwingte Hommage an die schottischen Highlands, das schottische Volk und dessen Nationalgetränk geschaffen, der zu recht in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Den Film genießt man wie einen lange gelagerten Malt Whisky. Die Rolle des Whisky-Experten in dem Film spielt einer vom Fach: Charlie MacLean, Master der "Keepers of the Quaich". Im Presseheft des Verleihs PROKINO gibt es ein aufschlussreiches Interview, dass so endet: "Welches ist ihr liebster Whisky? "Immer der, der mir ausgegeben wird!" Ein echter Schotte haltl.

Wertung: nicht zu empfehlen

On The Road - Unterwegs

von Walter Salles - F/Bras. 2012 - 137 Min.

Wer das Buch von Jack Kerouac (immer wieder mal) gelesen hat, dem haben sich Bilder eingeprägt, die sich in seinem Kopf zu einem Film zusammengefügt haben. Der Kultroman gilt als unverfilmbar - und daran hat auch jetzt nichts geändert. Walter Salles setzt in erster Linie auf Typen und weniger auf Ausstattung und Atmosphäre. Die Weite des Landes- die langen Strecken - überträgt sich nicht auf die Spielfilmlänge, da zuviel Stationen und Begegnungen abzuarbeiten sind. Die Handlung bleibt fragmentarisch. Ein "On The Road"-Gefühl stellt sich nicht ein. Das hat Salles mit seinem Film "Die Reise des jungen Che" überzeugender geschafft. Aber dort kannte er sich ja auch gut aus.

Wertung: hervorragend

Liebe

von Michael Haneke - F/D/A 2012 - 125 Min.

Zu den Filmen von Michael Haneke muss man nicht viel sagen bzw. schreiben. Die Inhaltsangabe zu "Liebe" ist - wie immer bei ihm - kurz und knapp: "Georg und Anna sind um die 80. kultivierte Musikprofessoren im Ruhestand. Die Tochter, ebenfalls Musikerin, lebt mit ihrer Familie im Ausland. Eines Tages hat Anna einen Anfall - Beginn einer Bewährungsprobe für die Liebe der Beiden."

Es ist ein Film über die Liebe und auch über das Sterben, über Alter und Tod. Haneke seziert seine Figuren wie unter einem Brennglas - gnadenlos und distanziert, aber nicht ohne emotionale Wirkung. Der Zuschauer hat keine Chance, dem Geschehen zu entgehen. "Liebe", der in Cannes mit dem Großen Preis ausgezeichnet wurde, hinterlässt das, was man unter 'Nachhaltigkeit' versteht. Mit den von Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva und Isabelle Huppert verkörperten Charakteren wird man fortan leben (müssen).

Wertung: nicht zu empfehlen

Das Bourne-Vermächtnis

von Tony Gilroy - USA 2012 - 135 Min.

Ein Filme ohne den Star Matt Damon und seinen Regisseur Paul Grengrass. Das muss noch nicht viel heißen, aber hier ist das Ergebnis negativ zu bewerten, da die Filme der Bourne-Trilogie in vielfacher Hinsicht äußerst erfolgreich waren. Die nach Vorlagen von Robert Ludlum entstandenen Filme setzten Maßstäbe, mit denen sich der Film von Tony Gilroy messen muss. Leider ist es so wie bei dem altbekannten Vergleich mit dem Teebeutel, dessen Inhalt nach mehrfachem Aufguss jeglichen Geschmack verloren hat und nur noch ein fades Gefühl hinterlässt. Auf die Story dieser endlos quälenden Verfolgungsjagd muss man nicht weiter eingehen.

Wertung: hervorragend

Was bleibt

von Hans-Christian Schmid - D 2012 - 85 Min.

Hans-Christian Schmid hat in seinen bisherigen Filmen bewiesen, wie konzentriert er mit seinen Darstellern umgehen kann, damit zwischen ihnen auf der Leinwand und den Zuschauern im Kino kein Blatt Papier passt. Auch hier ist es ein großartiges, hochkarätiges Ensemble - angeführt von Corianna Harfouch und Ernst Stötzner - , das eine eigentlich kleine, überschaubare Story zu einem aufregenden Erlebnis werden lässt. Es geht darum, dass eine 'typische' Familie innerhalb weniger Tage auseinander bricht und dann wieder neu zueinander findet. Ein Familiendrama, das zu einem außergewöhnlichen Ereignis wird - präzise inszeniert und nuanciert gespielt.

Wertung: sollte man gesehen haben

The Cabin in the Woods

von Drew Goddard - USA 2012 - 95 Min.

Fünf Freunde - drei Jungs und zwei Mädchen - wollen in einer entlegenen Hütte ein entspanntes Wochenende erleben. Doch dann kommt es so, wie es in einem Horrorfilm erwartungsgemäß verläuft. Ein geheimnisvoller Keller führt hinab in Untergründe, die das Geschehen mehrfach auf den Kopf stellt... Ein genresicheres Stück Kino - uneingeschränkt zu empfehlen für die Fans und regelmäßigen Besucher des Fantasy-Filmfestes. Als Überraschung für das Publikum kommt es am Ende des Films zu einer unerwarteten Begegnung der Dritten Art.

Wertung: kann man sich ansehen

The Watch - Nachbarn der 3. Art

von Akiva Schaffer - USA 2012 - 102 Min.

In Glenview, Ohio, ist die Welt noch in Ordnung. Saubere Reihenhäuschen mit gepflegten Vorgärten und ebensolcher Langeweile. Das Alltagsleben ist ebenso überschaubar wie die Charaktere. Doch als eines Tages ein Einkaufszentrum verwüstet und der Wachmann getötet wird, gerät das beschauliche Zusammensein aus den Fugen. Eine grüne Schleimspur mit Tentakel-Resten deutet auf Aliens hin. Die Ordnungskräfte wollen davon nichts wissen. Der Supermarkt-Chef Even (Ben Stiller) gründet daraufhin eine Nachbarschaftshilfe. Es melden sich Typen, denen man als Kinobesucher keinen Gebrauchtwagen abkaufen würde.

Was nun folgt, ist der Kampf von vier Männern gegen die Außerirdischen, die sich bereits in einigen Körpern von Mitbewohnern eingerichtet haben... Was nun passiert, ist vorhersehbar. Filme wie "Die Invasion der Körperfresser", "Ghostbusters" oder "Man in Black" lassen grüßen. Diese bieten allerdings nicht den platten, mit Zoten durchtränkten Humor auf, wie er hier angeboten wird. Nur die schauspielerischen Fähigkeiten von Comedy-Größen wie Ben Stiller & Co entschädigen den Kauf einer Eintrittskarte. Wer soetwas mag, kommt voll auf seine Kosten.

Wertung: sollte man gesehen haben

Holy Motors

von Leos Carax - F 2012 - 115 Min.

Ein Mann (Oscar) wird mit einer riesigen Stretchlimousine durch Paris gefahren. Am Steuer sitzt eine große Blonde, die ihn von Termin zu Termin fährt. Die einzelnen Stationen sind sehr unterschiedlich und Oscar muss sich in verschieden Identitäten und Charakteren bewähren. Mal ist er eine bettelnde, alte Frau, dann ein Killer, dann ein Monster und dann ein liebevoller Familienvater. Aber das ist nur eine kleine Auswahl.

Filme mit nichtnormativer Ästhetik sind eine willkommene Herausforderung für Publikum und Presse. Niemand kann vorhersagen, was geschieht und wie es ausgeht. Oh, welche Wohltat.

Wer die Filme von Bunuel liebt, sich bei den Stücken von Ionesco amüsiert und sich in den Bildwelten von Leos Carfax verlieren kann, kommt bei diesem assoziativen Trip voll auf seine Kosten. Und anschließend setzt dann das Vergnügen ein, den Film zu interpretieren.

Wertung: sollte man gesehen haben

Chico & Rita

von Fernando Trueba und Javier Mariscal - Spanien/UK 2010 - 93 Min.

Ein Animationsfilm, der zurück führt nach Havanna 1948. Der junge Jazzpianist Chico begegnet in einem Nachtclub der wunderschönen Sängerin Rita. Und dann beginnt die Lovestory mit den genretypischen Zutaten: Eifersucht, Erfolg, Karriere, Trennung, Wiedersehen usw. Der mit sanften Strichen und unaufgeregten Charakteren aufwartende Film führt dann in die Jazzszene New Yorks und ermöglicht ein Wiedersehen u.a. mit Dizzy Gillespie, Charlie Parker, Chano Pozo, Nat King Cole und Ben Webster. "Chico & Rita" ist nicht unbedingt ein Film für die große Leinwand. Der intime Rahmen eines Heimkinos mit hochwertigen Boxen bietet den besseren Einstieg in einen Abend/eine Nacht, in der die alten Platten wieder einmal aufgelegt werden. Dazu noch das passende Getränk, die richtige Stimmung. "Chico & Rita" ist ein Animationsfilm im wahrsten Sinne des Worten.

Wertung: hervorragend

To Rome with Love

von Woody Allen - USA/Italien 2012 - 110 Min.

Woody Allens Europa-Reisen führen diesmal durch ROM. Der Blickwinkel ist ein touristischer; die Story ist typisch Woody Allen. Er wirbelt ein Dutzend Menschen - Amerikaner und Italiener, unterschiedliche Charaktere und Schicksale - tüchtig durcheinander. Treffsicher in der Auswahl seiner Protagonisten hat er dazu das passende Drehbuch geschrieben, das mit Gags und Pointen aufwartet, wie wir es aus seinen besten Zeiten kennen. Das Personal reicht von einem Durchschnittstypen, der unversehens und grundlos zu einem umjubelten und gefragten Medienstar wird, über einen Bestattungsunternehmer, dessen Gesangstalent sich aber nur unter der Dusche entfaltet, bis hin zu einem Callgirl (Penélope Cruz), das gegen ihren Willen die Rolle einer wohlanständigen jungen Ehefrau spielen muss. Allein die Auftritte von Penélope Cruz sind das Eintrittsgeld wer. Versprochen!

(23.08.2012

Wertung: nicht zu empfehlen

Total Recall

von Len Wiseman - USA 2012 -118 Min.

Ein Actionthriller über Traum und Realität, Erinnerung und Vergessen. Colin Farrell spielt einen an sich harmlosen Fabrikarbeiter, der sich auf ein Abenteuer-Angebot der Firma Recall einlässt. Hier können sich Träume in echte Erinnerungen verwandeln lassen. Und wie es nun mal so kommt: Die Programmierung läuft schief und aus dem Arbeiter wird ein Superspion, der zwischen die Fronten des diktatorischen Regimes und den Untergrund-Widerstandskämpfern gerät. Das alles spielt gegen Ende des 21. Jahrhunderts. Die Städte sehen immer noch so aus, wie es in "Blade Runner" kreiert wurde. Ein riesiges Chinatown und ständiges Regenwetter. Und es ist rührend anzusehen, wie Farrell gegen die Blechmänner (Roboter-Soldaten als Kampfmaschinen) kämpft und ihnen mit der Faust einen Kinnhaken versetzen kann. Dazu noch eine unerträgliche, nervige Musik. Ein aufgeblasenes Computerspiel. Leider nicht interaktiv und ein daher nicht abschaltbares Verwirrspiel.

Wir wollen unseren guten alten Arnold Schwarzenegger wiederhaben! Das Geld für den Kinobesuch dieses Films ist besser in dem Erwerb einer DVD mit dem trendsetzenden Film von Paul Verhoeven angelegt.

Wertung: ärgerlich

Frisch gepresst

von Christine Hartmann - D 2012 -90 Min.

Es gibt Filme, die die Welt nicht baucht! Dieser gehört dazu. Eine kinderlose Single-Frau steigt innerhalb kürzester Zeit mit zwei extrem unterschiedlichen Typen in die Kiste und wird schwanger. Aus so einem Stoff - Wer ist der Vater? - hat das deutsche Filmlustspiel immer schon fade Geschichten entwickelt. Überraschungen bleiben aus.

Produziert wurde der Film von Ziegler-Film; finanziert wurde er u.a. von der FFA und dem DFFF. Purer Kommerz ist dort auch gut aufgehoben. Was aber hat anspruchsvolle Gremien wie das Medienboard Berlin-Brandenburg und die Film- und Medienstiftung NRW dazu bewogen, hier Förderungsgelder zu investieren? Der Name "Ziegler" ist vielleicht der Freibrief zu all diesen Töpfen.

Wertung: sollte man gesehen haben

Prometheus

von Ridley Scott - USA 2012 - 124 Min. 3D

Ridley Scott knüpft an ALIEN an, bzw. er geht weiter zurück. Ein Team von Wissenschaftlern geht Hinweisen auf den Ursprung der Menschheit nach. Sie reisen mit dem Raumschiff "Prometheus" und geraten auf einen Planeten, der etliche Überraschungen - und Gefahren - bietet. Die SF-Story des Films ist nicht sonderlich beeindruckend und auch die 3D-Effekte halten sich im Rahmen. Aber es wieder einmal die Ausstattung eines Ridley Scott-Films (Produktionsdesign: Arthur Max), die atemberaubende Eindrücke hinterlässt. Darüber hinaus ist der Film mit Noomi Repace, Michael Faasbender, Idris Elba und Charlize Theron hervorragend besetzt.

Wertung: kann man sich ansehen

Red Lights

von Rodrigo Cortés - USA 2012 - 119 Min.

Das Aufeinandertreffen zweier hochkarätiger Schauspieler - Sigourney Weaver als knochentrockene Wissenschaftlerin und Robert de Niro als legendärer und umstrittener Parapsychologe - setzt leider keine übernatürlichen Kräfte hinsichtlich der Begeisterung für diesen Film frei. Wie eine Flipperkugel klickert die Handlung hin und her und erschwert die Beweisführung, ob es sich bei den Vorkommnissen um Wahrhaftiges oder Übersinnliches handelt. Immerhin hat Frau Weaver eine Rolle, die sie ausspielen kann. Robert de Niro hingegen versteckt sich hinter einer Maske, die die Skala seines Ausdrucksvermögens auf ein Minimum reduziert. Schade!

Wertung: kann man sich ansehen

Who killed Marilyn?

von Gérald Hustache-Mathieu - Frankreich 2010 - 102 Min.

Ein unter einer Schreibblockade leidender Krimiautor findet eine neue Herausforderung. In einem Provinznest wird die Leiche einer Dorfschönheit gefunden, die nicht nur äußerlich an Marilyn Monroe erinnert. Er geht den Spuren nach und entdeckt merkwürdige Parallelen zwischen dem Leben des Stars und dem Mädchen, das ihn immer stärker in ihren Bann zieht.

Eine unterhaltsame Krimi-Komödie; luftige und leichte Sommerkost. Gleichzeitig auch ein kleines Rätselspiel für Filmkundige, deren Wissen über die Schönheiten und Schattenseiten Hollywoods abgefragt wird.

Wertung: sollte man gesehen haben

Rum Diary

von Bruce Robinson - USA 2011 -120 Min.

Das ist einer von den Filmen, die einmal eine Geschichte erzählen (und einen Schauplatz präsentieren), die sich angenehm abhebt von dem Standard des Mainstream-Kinos. Johnny Depp, der in seinen Rollen gerne neue Herausforderungen sucht - und sie gewöhnlich auch meistert - spielt hier einen aufstrebenden Journalisten, der im Jahre 1960 in Puerto Rico aufschlägt und dessen Rum-durchtränkte Tage und Nächte ein Scheitern seiner Ambitionen vorhersehbar machen. Und da es sich um einen Stoff von Hunter S. Thompson handelt, liefern neben dem Hochprozentigen auch halluzinogene Drogen und atemberaubende Frauen den erforderlichen Treibstoff für einen Action- und Abenteuerfilm, der sich nur auf der Leinwand mit entsprechend großem Bild richtig in Szene setzen kann.

Wertung: sollte man gesehen haben

Guilty of Romance

von Sion Sono - Japan 2011 - 144 Min.

Sex and Crime im Rotlichtbezirk in Tokyo aus der Hand des Meisters Sion Sono. Die schüchterne Ehefrau eines pedantischen Schriftstellers (mit einer dunklen Seite) entdeckt über ein Model-Shooting die Welt sexueller Abenteuer und führt fortan ein Doppelleben. Dort lernt sie eine Literatur-Agentin kennen, die ebenfalls als Prostituierte arbeitet. Hinzu kommt noch eine Kommissarin, die den Mord an einer grausam zugerichteten Leiche einer jungen Frau aufklären muss und ebenfalls ein Doppelleben führt.

Mehr Doppelleben in einem Film geht nicht. Das ist aber so raffiniert und aufreizend als Thriller, Psychodrama und Erotik-Film inszeniert, dass die Zuschauer fesselt und in die Sitze presst. Großes Kino!

Wertung: kann man sich ansehen

Allein die Wüste

von Dietrich Schubert - D 2011 - 85 Min.

Dietrich Schubert zählt zu den Filmemachern, die sich in ihren Dokumentationen auch persönlich einbringen - wenn es sich anbietet oder es erforderlich ist. "Unterwegs als sicherer Ort", "Widerstand und Verfolgung in Köln 1933-1945" oder "Nachforschungen über die Edelweißpiraten" sind dafür exemplarische Beispiele.

In "Allein die Wüste" aber geht es ausschließlich um ihn: Dietrich Schubert. Mitten in der Wüste von Marokko baut er ein Zelt auf. Für gut zwei Monate hat er sich mit Wasser und Verpflegung eingedeckt. Eine Kamera ist dabei. In einem filmischen Tagebuch hält er seine Erfahrungen und Beobachtungen fest. Wer Schubert kennt, wird viel von dem miterleben, was ihn bewegt und wie er tickt. Er hat sich für dieses Selbstreflektion-Experiment viel Zeit gelassen. Die muss auch der Zuschauer mitbringen, um sich auf die Bilder und Stimmungen einzulassen. "Allein die Wüste" ist ein Film, der der Entschleunigung der Filmrezeption dient.

(Juni 2012)

Wertung: hervorragend

We Need to Talk About Kevin

von Lynne Ramsey - GB 2011 - 110 Min.

Psychologischer, in seiner Bildästhetik außergewöhnlicher Thriller über eine Mutter, deren Sohn ein Massaker verursacht hat. Erinnerungen, erste Anzeichen und verpasste Chancen verdichten sich zu einer nicht chronologisch erzählten Geschichte über Schuld und Verantwortung.

In der Hauptrolle die hervorragende Tilda Swinton. Ihr Spiel ist so intensiv und emotional ergreifend, dass sie den Gehalt des Films auch als Einpersonen-Stück auf der Bühne rüberbringen könnte.

Wertung: kann man sich ansehen

Cinema Jenin

von Marcus Vetter - D 2012 - 96 Min.

Marucs Vetter ("Das Herz von Jenin") dokumentiert hier das mühsame und nervenaufreibende Unternehmen, ein zerstörtes Kino in Jenin/Westjordanland wieder aufzubauen und in Betrieb zu nehmen. Das ist sehr aufschlussreich darüber, unter welchen Bedingungen dort solche Projekte realisiert werden können. Der Film über das Kino ist allerdings im Fernsehen besser aufgehoben als im Kino.

Wertung: kann man sich ansehen

Der Seidenfächer

von Wayne Wang - China/USA 2011 - 104 Min.

Langatmige - um nicht zu sagen: langweilige - Literaturverfilmung. In einer Parallelhandlung wird die Geschichte von zwei Mädchen bzw. jungen Frauen geschildert, die im China des 19. Jahrhunderts am selben Tag geboren und zu Laotongs, Schwestern im Geiste, werden, deren Schicksale auf alle Ewigkeiten miteinander verknüpft sind. Die Parallelhandlung spielt im Shanghai von heute.

Wayne Wang, der so eindrucksvolle Filme wie "Dim Sum", "Smoke" und "Blue in the Face" drehte, begnügt sich hier mit einer Aneinanderreihung von erlesenen Postkarten-Motiven. Durch viel zu viele Zeitsprünge gezwungen, muss sich der Betrachter wie bei einem Rösselsprung-Rätsel die Handlungselemente zu einer komplett erfahrbaren und nachzuvollziehenden Story zusammensetzen. Es ist zu empfehlen, den Roman von Lisa See zu lesen.

Wertung: kann man sich ansehen

West is West

von Andy De Emmony - GB 2010 - 102 Min.

Der indische Superstar Om Puri (über 140 Filme) spielt das Oberhaupt der Familie Khan. Der zweite, aktuelle Zweig lebt in Salford, Nordengland. Der andere, frühere im ländlichen Pandschab. Khans heranwachsender Sohn Sajid hat es als "Pakistani" leicht und probt den Aufstand. Der Patriarch beschließt daraufhin, den Jungen mit nach Pandschab zu seiner dortigen Familie zu nehmen, damit er dort die guten, alten Werte kennenlernt. Doch hier setzt ein Lernprozess für alle Beteiligten ein...

Eine Komödie, die englischen Humor mit den Stilmitteln Bollywoods kombiniert. Wer's mag, wird sich amüsieren.

Wertung: sollte man gesehen haben

Ai Weiwei: Never Sorry

von Alison Klayman - USA 2012 - 91 Min.

Ein sich aus vielfältigen Facetten und unterschiedlichen Medien zusammensetzendes Porträt des chinesischen Künstlers und Regimekritikers. Interessant und aufschlussreich. Etwas Vorwissen über die Kunstszene und die Politik Chinas ist allerdings erforderlich, da der Film nicht über ausreichend Zeit verfügt, alle Aktionen des unermüdlichen Aktivisten mit Hintergrundinformationen abzusichern.

Während an vielen Orten dieser Welt der Name Weiwei zur Selbstdarstellung missbraucht wird - "Wir laden den Künstler ein, ein Bühnenbild zu gestalten" etc. - um auf zu selbst aufmerksam zu machen, wählt diese Dokumentation den nicht so ganz einfachen Weg einer persönlichen und direkten Annäherung. Vielleicht kein Film für die grosse Leinwand, aber zumindest als DVD ein unverzichtbarer "Kunstführer".

Wertung: kann man sich ansehen

Amador und Marcelas Rosen

von Fernando León de Aranoa - Spanien 2010 - 110 Min.

Ein sanftes Psycho-Sozial-Drama. Marcella, eine Rosenverkäuferin, lebt mit ihrem Freund in Madrid. Da ihnen das Geld an allen Ecken und Enden fehlt, wird sie die Pflegerin eines alten Mannes namens Amador. Marcela ist schwanger. Ihrem Freund sagt sie nichts. Sie versucht, irgendwie mit dieser Situation klar zu kommen. Amador - ein passionierter Puzzle-Spieler, hilft ihr mit einfachen Lebens-Weisheiten weiter. Der plötzliche Tod des Alten stellt Marcela vor Herausforderungen, denen sie zunächst nicht gewachsen ist. Dann aber erfährt sie, dass der Tod dem Leben nicht immer eine Ende setzt.

Der Film weicht in seiner märchenhaften Struktur von einer mitleidsvollen Sozialstudie angenehm ab und sorgt mit trockenem Humor und leiser Melancholie für die Aufmerksamkeit der Zuschauer.

Wertung: sollte man gesehen haben

Kochen ist Chefsache

von Daniel Cohen - Frankreich 2012 - 84 Min.

Alles andere als eine der eitlen, nervenden Koch-Shows, die in allen TV-Programmen zu allen Tages- und Nachtzeiten unaufgefordert belästigen. Jean Reno in einer Paraderolle als Frankreichs berühmtester Sternekoch, der sich den ungewollten und von oben herauf aufgezwungenen Herausforderungen der Molekularküche stellen muss. Unterstützung findet er dabei durch den Anarcho-Komiker Michael Youn. Er spielt einen Lebens- und Kochkünstler, der mit allen Gaben und Zutaten der meisterhaften französischen Komödie versehen ist. Hineingehen und sich wohlfühlen. Gut wäre ein Kinobesuch an einem Wochenende - so gegen 17/18 Uhr mit anschließender Reservierung beim "Franzosen" um die Ecke.

Wertung: kann man sich ansehen

Safe - Todsicher

von Boaz Yakin - USA 2012 - 94 Min.

Ein Action-Thriller mit Jason Statham in der Hauptrolle. Er spielt einen von der Russen-Mafia gejagten Cage-Fighter, der mehr oder weniger zufällig der Beschützer einer zehn Jahre alten Chinesin wird. Sie geriet in die Fänge eines Triadenchefs in New York und wird dort wegen ihrer außergewöhnlichen mathematischen Begabung für kriminelle Machenschaften gebraucht. Und da auch noch korrupte Cops eine Rolle spielen, wird die Luft für den Fighter und das Mädchen immer enger. Doch den Regeln des Genres entsprechend, bleibt die Kleine unversehrt, auch wenn sie mehr Mord und Todschlag um sich herum ertragen muss, als zumutbar ist.

Wertung: kann man sich ansehen

Leb wohl, meine Königin!

von Benoit Jacquot - Fr. 2011 - 100 Min.

Schöne Frauen in schönen Kostümen in einem schönen Schloss. Versailles im Juli 1789. Der Vorabend der Französischen Revolution aus der Sicht der Dienerschaft. Mit dabei: Die Vorleserin der Königin, die bei der Flucht das Double ihrer Herrin spielen muss. Ein Historiendrama mit bunten Hochglanzbildern. Wäre der Film eine Zeitschrift, so gehört er in das Wartezimmer einer Zahnarzt-Praxis.

Wertung: nicht zu empfehlen

Ein ruhiges Leben

von Claudio Cupellini - D/I/F 2010 - 105 Min.

Eigentlich eine interessante Geschichte: ein Mafia-Film, der ausschließlich in Deutschland spielt. Ein ehemaliger Mafia-Killer hat sich in Deutschland eine neue Existenz plus Ehefrau und Sohn aufgebaut. Er führt im Umland von Wiesbaden ein italienisches Hotel-Restaurant. Dann wird der angebliche Tote von seiner Vergangenheit eingeholt, als sein Sohn aus erster Ehe und dessen Freund, der Sohn eines Mafia-Bosses, bei ihm auftauchen. Und nun gerät das ausbalancierte, gutsituierte Leben völlig durcheinander...

Auf der Strecke bleiben dann erwartunsgemäß einige Mafiosi und leider auch die Logik der ganzen Sache. In der letzten Viertelstunde häufen sich soviel Fehler, die für eine ganze TV-Serie reichen würden. Da bleibt der Kinogänger ratlos, frustriert und verärgert zurück. Wer zum Teufel hat bei dieser Produktion das Drehbuch abgenommen?

Wertung: sollte man gesehen haben

Der Diktator

von Larry Charles - USA 2012 - 83 Min.

Ein Film von und mit und über Sacha Baron Cohen. Was ist mehr zu bewundern? Der Film oder die weltweite, aufsehenerregende Kampagne zum Start? Jedenfalls ein Spektakel, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Es gibt ebensoviele amüsante Gags und witzige Anspielungen wie derben Humor und provozierende Geschmacklosigkeiten. Die ganze Skala wird abgerufen. Bei der Pressevorführung (mit Namensliste) wurde ich als "Medienbeobachter" mit 1,5 Mio in der Landeswährung der Republic of Wadiya bestochen, um positiv über den Film zu schreiben. Was hiermit geschehen ist.

Wertung: sollte man gesehen haben

Lachsfischen im Jemen

von Lasse Hallström - GB 2012 - 112 Min.

Ein arabischer Ölscheich, der sich in Schottland ein Schloss leistet, will in Jemen Lachse fangen. Es geht nun darum, diese in seinem Wüstenstaat anzusiedeln. Keiner nimmt diese Idee ernst, aber der englische Premierminister sieht darin für sich eine Chance, die Medien von den negativen Schlagzeilen aus dem Nahen Osten abzulenken. Mit der Durchführung des Projektes wird ein britischer Experte (Ewan McGregor) beauftragt, der sich an anfänglichem Sträuben auf das Unternehmen einlässt. Begleitet wird er von einer jungen Managerin (Emily Blunt) seines Auftraggeber. Als Motor des Ganzen erweist sich die PR-Beraterin und Pressesprecherin des Premierministers (Kristin Scott Thomas)...

Ein herrlich verdrehter, fintenreicher Film zwischen Satire, Komödie und Polit-Thriller. Hervorragend Ewan McGregor als Gentleman alter englischer Schule und Kristin Scott Thomas als überdrehte, toughte Medienbeauftragte. Angerührt hat diesen Leckerbissen Lasse Hallström, der sich auf so schräge Geschichten wie GILBERT GRAPE oder GOTTES WERK UND TEUFELS BEITRAG eingelassen hat. Ein verrückter Film, ein herrlicher Spaß.

Wertung: hervorragend

Dark Shadows

von Tim Burton - USA 2012 - 112 Min.

Vampir-Gursel-Komödie nach der klassischen Trash-Kultserie "Dark Shawods", die bereits vor einigen Jahrzehnten das TV-Piublikum in Angst und Schrecken versetzte.

Johnny Depp, der wie kein anderer Hochleistungs-Darsteller sich immer wieder in neuen Verkleidungen und Typen beweist, hat als Barnabas Collins auch hier wieder eine Rolle gefunden, die ideal zu seinen Ansprüchen passt. Als Vampir, der unfreiwillig zweihundert Jahre im Sarg verbringen musste, wacht er zwar in einer vertrauten Welt - an der Küste Neuenglands - auf, aber um ihn herum hat sich einiges verändert. Mit Stil, Eleganz und leichter Ironie meistert der Mann des 18. Jahrhunderts alle neuzeitlichen Heraus- und Anforderungen. Auch von von Verführungskünsten einer Michelle Pfeiffer oder Helena Bonham Carter lässt er sich nicht in die Enge treiben. Nur in einer Fick-Szene mit Eva Green, die eine den Vampir liebende Hexe spielt, gerät Barnabas in Hektik und Rage. Am Ende sieht es aus wie beim Finale in einem Katastrophenfilm.

Wenn Depp auf Burton trifft, ist wie immer totales KINO angesagt. Der Film lässt nichts aus, auch nicht wirkungsvoll placierte Auftritte von Christopher Lee und Alice Cooper - für Barnabas "das hässlichste Frauenzimmer der Welt!"

Wertung: nicht zu empfehlen

Ausgerechnet Sibirien

von Ralf Huettner - D 2012 - 100 Min.

Joachim Krol ist hier ein pedantischer Logistiker eines Modeversandhandels aus Leverkusen, der eine Filiale in Südsibirien aufmöbeln soll. Doch das hier die Uhren anders ticken, ist eine von den vielen Erfahrungen, die der Zuschauer nicht unbedingt mit ihm teilen möchte. EIn Klischee reiht sich ans andere. Krol, der so souverän mit einer solchen Rolle umgehen kann - siehe "Zugvögel" - wirkt hier völlig deplaciert. Der Film schmeckt wie ein mehrfach aufgebrühter Teebeutel, bei dem man nach einiger Zeit vergessen hat, was eigentlich auf der Verpackung stand.

In Leverkusen wird man vielleicht ins Kino gehen.

Wertung: sollte man gesehen haben

21 Jump Street

von Phil Lord & Christopher Miller - USA 2011 - 109 Min.

Mit dieser legendären, gleichnamigen TV-Serie aus den 1980/90er Jahren startete Johnny Depp seine Karriere. Er war einer der ersten jugendlichen aussehenden Cops, die verdeckt im Highschool-Milieu ermitteln. Die einzelnen Folgen waren zugeschnitten auf aktuelle Themen, die sich aus der Alltagsrealität der Jugendlichen ableiten.

Dieser Film konzentriert seine Geschichte auf die heutige Situation, die andere Vorgehensweisen und Auftritte verlangt. Sex and Drugs and Rock`n`Roll in aufgefrischter Version.

"21 Jump Street" ist eine unterhaltsame Action-Komödie, die den Sprung vom Bildschirm auf die Leinwand nicht zuletzt durch das perfekte Timing der beiden Protagonisten Jonah Hill und Channing Tatum spielerisch schafft. Der Dritte im Bunde ist Ice Cube als kantiger Captain der beiden Jungs.

Wertung: sollte man gesehen haben

Lockout

von Stephen St. Leger und James Mather - USA 2012 - 95 Min.

SF-Action-Film. In der Zukunft werden gefährliche Verbrecher in einem ausbruchssicheren Gefängnis auf einer Raumstation untergebracht und in künstlichem Tiefschlag versetzt. Als die Tochter des US-Präsidenten in humanitärer Mission dort einen Termin hat, können die Insassen sich befreien und die Station unter ihre Kontrolle bringen. Wie gut, dass es noch einen coolen CIA-Agenten gibt, dem Unrecht angetan wurde und der nun die Chance hat, sich zu rehabilitieren. Sozusagen im Alleingang löst der das Problem. Früher hätte er dafür ein halbes Königreich und die Tochter des Königs bekommen. Knallharter Genre-Film, routiniert inszeniert. Für Produktion und Drehbuch zeichnet Luc Besson ("Leon") verantwortlich.

Wertung: hervorragend

The Avengers

von Joss Whedon - USA 2012 - 120 Min.

"Nur noch kurz die Welt retten" - ?? - Das ist nicht immer so einfach. Wenn in einer Marvel-Story ein finsterer Bösewicht dabei ist, den Weltfrieden und die globale Sicherheit zu gefährden, dann bedarf es schon eines ganzen Ensembles erfahrener Comic-Helden, um das zu verhindern. Hier sind es Thor, der Iro Man, Black Widow, Hulk, Captain America Hawkeye und die andern, die das Schlimmste verhindern. Eine faszinierende Zerstörungs-Orgie bietet Stars wie dem sarkarstische Robert Downey jr., Samuel L. Jackson als cooler Stratege und die blonde Scarlett Johansson als rothaarige Black Widow die ideale Kulisse für ihre Auftritte. Und wenn Hulk und Thor in 3D aufeinanderhämmern, so wundert sich der normale Zuschauer, das der Kinosaal danach nicht zersägt und in Schutt und Asche gelegt ist. Die Film ist ein Hammer - nicht nur für die Fans des Genres.

Wertung: kann man sich ansehen

UFO in her Eyes

von Xiaolu Guo - D 2011 - 110 Min.

Eine schräge Geschichte. Sie spielt in einem kleinen Dorf im Süden Chinas. Kwok Yun, Ende Dreißig, meint, ein UFO gesehen zu haben. Und dann liegt auch noch ein Fremder (einer aus dem Westen) plötzlich neben ihr und bedarf ihrer Hilfe. Doch dann ist er verschwunden. Was sich daraus entwickelt ist eine satirische Komödie über die chinesische Parole "Ein Land - zwei Systeme". Am Ende des Films ist nichts mehr so wie früher.

"UFO in her Eyes" tritt den Beweis für die Behauptung an, dass, wenn irgendwo in China ein Schmetterling seine Flügel bewegt, an einem fernen Ort auf dieser Welt ein Orkan ausgelöst werden kann.

Interessant an diesem Film ist -nebenbei bemerkt - seine Finanzierungs- und Produktionsgeschichte: www.ufoinhereyes.com.

Wertung: kann man sich ansehen

Bel ami

von Declan Donnellan und Nick Ormerod - GB 2011 - 102 Min.

Neuverfilmung des Klassikers von Guy de Maupassant. Die Damen, die dem Aufsteiger zum Einstieg in die Pariser Gesellschaft verhelfen, werden von attraktiven Frauen wie Uma Thurman, Christina Ricci und Kristin Scott Thomas gespielt. Leider wird nicht sichtbar bzw. spürbar, warum sie auf einen so hölzernen und ausdruckslosen Typen wie Robert Pattinson hereinfallen. Seine Filme können sie jedenfalls nicht gesehen haben. Diesem Film - in englischer Sprache gedreht - jedenfalls fehlt das, was als "diskreter Charme der Bourgeoisie" beschrieben wird. Vielleicht will es ja ein glücklicher Zufall, dass in den kommenden Monaten an irgendeinem Sonntagnachmittag im ZDF einer der Filme mit Willi Forst oder Johannes Heesters in der Titelrolle wiederholt wird. Hier ist noch so etwas wie der witzige und satirische Gehalt des Romans erhalten.

Sehenswert allerdings das Szenenbild von Attila F. Kovács und die Kostüme von Odile Dicks-Mireaux. Die Bilder der Kamera von Stefano Falivene sind so faszinierend wie die Gemälde des französischen Impressionisten Gustave Cailebotte.

Wertung: ärgerlich

Babycall

von Pal Sletaune - Nor/Schw 2011 - 96 Min.

Noomi Rapace spielt eine psychisch angeknackste Mutter, die sich mit ihrem achtjährige Sohn Anders auf der Flucht vor dem ultrabrutalen Ehemann und Vater befindet. Sie vertraute sich der Obhut der Jugendbehörden an, die sie in einem riesigen Appartmenthaus unterbringt. Um den schlafenden Sohn zu überwachen, kauft sie sich ein Babyphone, aus dem sie beunruhigende Töne aus einer fremden Wohnung hört.

Das ist der Anfang des Films. Das Ende hat damit überhaupt nichts mehr zu tun, da immer neue Zeit- und Wahrnehmungsebenen übereinander geschichtet werden, die nicht nur verwirren, sondern auch verärgern. Entweder hat sich der Film vorgenommen, die Intelligenz der Zuschauer einer Geduldprobe zu unterziehen oder sie schlichtweg zu verarschen.

Was bleibt, ist ein großes Ärgernis und der Eindruck, dass Noomi Rapace hier mit allen Mitteln versucht, Mia Farrows Leistung in "Rosemaries Baby" zu übertreffen.

Wertung: kann man sich ansehen

Wo stehst Du?

von Bettina Braun - D 2011 - 91 Min.

Mit ihren Dokumentationen WAS LEBST DU? (2002-2004) und WAS DU WILLST (2008) hat die Filmemacherin einen aufschlussreichen Blick in das Innenleben von vier Jugendlichen aus dem Kölner Eigelstein-Viertel ermöglicht. Direkt, hautnah und unverfälscht. Damals waren für die unterschiedlichen Lebensläufe und Erwartungen der vier Jungs noch viele Optionen denkbar. Heute, einige Jahre später, erfahren wir, was daraus wurde. Das ist interessant, wenn man die Vorgeschichte kennt. Filmisch leider aber nicht besonders ansprechend. Der Film entstand in Zusammenarbeit mit dem ZDF "Das Kleine Fernsehspiel". Dort gehört er auch hin.

Wertung: sollte man gesehen haben

Die Frau in Schwarz

von James Watkins - GB 2011 - 95 Min.

Um Daniel Ratcliffe herum wurde ein altes englisches Spukhaus gebaut, in dem er das Gruseln lernen soll. Dieser Horrorfilm könnte auch "Daniel allein im Eel Marsh House" heißen. Denn das sieht aus wie in einem Film von Jan Svankmajer und ist der eigentliche Hauptdarsteller des Films. Nichts wie hin - denn von Hammer drauf steht, ist auch Hammer drin!

Wertung: sollte man gesehen haben

Die Tribute von Panem

von Gary Ross - USA 2012 - 142 Min.

Erster Teil der aufwändigen Verfilmung von "The Hunger Games". EIn visueller Rausch, ein Erlebnis, das man sich sich nicht entgehen lassen sollte. Die Geschichte ist bekannt; ein riesiger Werbe-Feldzug hat dafür gesorgt, dass Buch und Film in allen Medien präsent sind.

Sollte man sich davon nicht beeindrucken bzw. beeinflussen lassen, ist allein die großartige Leistung von Jennifer Lawrence in der Hauptrolle ein Grund, ins Kino zu gehen. Seit "Winter's Bone" bin ich ein Fan dieser Darstellerin.

Bin gespannt, wie's weitergeht. Gladiatorenkämpfe, in denen sich Kinder gegenseitig metzeln, sind auch meines Erachtens ein diskussionswürdigen Thema. Positiv sei angemerkt, dass die Bilder im Film hier zurückhaltend und nicht spektakulär aufbereitet werden.

Wertung: hervorragend

Take Shelter

von Jeff Nichols - USA 2011 - 120 Min.

Ein Tsunami im Kopf. Schauplatz ist eine Kleinstadt in Ohio. Ein junger Ehemann, Vater und harter Arbeiter, wird von einer Reihe apokalyptischer Visionen heimgesucht. Damit stellt sich nun für ihn die Frage, wie kann er sich und seine Familie auf einem aufkommenden Sturm in Sicherheit bringen. Nicht alles, was er unternimmt, stößt auf Verständnis und verwirrt sein Umfeld. Doch das Unheil schreitet voran...

Im Umfeld genresicherer, mainstreamförmiger Katastrophenfilmen in 3D mutet dieser Film beinahe "klassisch" an. Aber genau das ist seine Stärke. Er setzt nicht auf Angst und Schrecken, sondern konzentriert sich auf emotional überzeugende, stetig ansteigende Spannung. Es bedarf nur weniger (überbezeugender) Effekte, um Hochspannung zu erzeugen.

Zu recht mit vielen Festival-Preisen ausgezeichnet.

Hervorragend die Leistung des Hauptdarstellers Michael Shannon. Er hat mich schon in BOARDWALK EMPIRE beeindruckt, wo er einen bigotten und kantigen Bundesagenten spielt. Seitdem gehöre ich zu seinen Fans.

Wertung: nicht zu empfehlen

Russendisco

von Oliver Ziegenbalg - D 2012 - 90 Min.

ALs ein begeisterter Leser des Romans von Wladimir Kaminer war ich auf diesen Film sehr gespannt. Obwohl es nicht immer angebracht ist, Buch und Film miteinander zu vergleichen, waren meine Erwartungen die, dass die Authentizität, Frische und Frechheit der Vorlage originär umgesetzt wurde. Doch statt interessanter Typen sieht man in den drei männlichen Hauptrollen nur überforderte Schauspieler, die versuchen, originelle Typen spielen. Die Protagonisten amüsieren sich dabei offensichtlich mehr als die Zuschauer. Die Chance, Vielfalt und Farbe in die Schwarzweiß-Raster der deutschen Filmkomödie zu bringen, wurde leider vertan.

Erwähnenswert einzig und allein das Szenenbild von Christian M. Goldbeck, der den schnell wechselnden Veränderungen in Ostberlin in den ersten Wendejahren eindrucksvolle, treffende Momentaufnahmen abgewinnt. In diesen Bildern liegt mehr Witz und Ironie als in der "überdrehten" Handlung. Schade.

Wertung: sollte man gesehen haben

King of Devil

s Island" von Marius Holst - Norwegen 2010 - 115 Min.

Filme, die in Internaten, Jugendstrafanstalten oder Erziehungsheimen spielen, besitzen in Skandinavien Tradition. "Evil" (Schweden 2003) nach dem autobiographischen Roman von Jan Guilou ist dafür ein gutes Beispiel. Der Film von Holst spielt in einem kalten norwegischen Winter im frühen 20. Jahrhundert auf einer Gefängnisinsel. Hier befinden sich straffällige Jungen unter der strengen Aufsicht der Anstaltsleitung. Zu den Regeln des Genres gehört der Aufstand, der durch einen unangepassten Jugendlichen ausgelöst wird. Entstanden ist ein packender Film über den Kampf um Freiheit und Freundschaft. Außerdem überzeugt die Inszenierung durch fantastische Bilder einer überwältigenden Landschaft. Genau der richtige Film zur Abkühlung an heißen Sommertagen. Auch wenn er bei uns schon jetzt startet.

Wertung: sollte man gesehen haben

Headhunters

von Morten Tyldum - Schweden/Norwegen 2011 - 100 Min.

Ein hervorragendes Beispiel dafür, das Krimi-Handlungen nicht immer den Gesetzes des Genres oder der Logik folgen, sondern - wie hier - der Protagonist wie eine Flipper-Kugel hin- und hergeschleudert wird.

Und dabei fing alles so harmlos an. Ein erfolgreicher, mit einer überaus attraktiven Galeristin verheirateter Headhunter braucht dringend Kohle. Er berät nicht nur seine Klienten, sondern erkundet sie auch und raubt sie aus. Doch dann gerät er an den Falschen. Einer, der mit ihm Katz und Maus spielt und ihn solange in die Ecken treibt, bis aus dem cleveren Manager ein Häufchen Elend wird. Doch irgendwie kann er sich aus dem beinahe tödlichen Dreieck aus Betrug, Rache und Ehrgeiz befreien.

"Headhunters" ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jo Jesbo. Das allein ist ein Qualitätsbeweis und lohnt allemal einen Kinobesuch.

Wertung: kann man sich ansehen

Contraband

von Baltasar Kormákur - USA 2011 - 109 Min.

Der unverwundbare Mark Wahlberg in der Rolle eines ehemaligen Schmugglerkings, der auf seine (noch nicht ganz so) alten Tagen noch einmal herausgefordert wird. Es geht darum, den lebensgefährlichen Fehler seines Schwagers auszubügeln, der sich mit skrupellosen Drogendealern angelegt hat. Und wieder einmal müssen die alten Seilschaften bemüht werden, einen mit Schmuggelgut bespickten Container-Frachter durch den Panama-Kanal zu schleußen. Das ist nicht einfach, denn Schmuggler, Drogenbosse, Polizei und Auftragskiller sind ebenfalls hinter der Beute (mal Falschgeld, mal Drogen, mal ein wertvolles Gemälde) her.

Wertung: sollte man gesehen haben

John Carter -Zwischen zwei Welten

USA 2012 - von Andrew Stanton - 120 Min.

Aufwändiger Sience-Fiction in 3D. Die Vorlage liefert der Roman "A Princess of Mars" von Edgar Rice Burrough. Hinter den Masken dieses Spektakels

verbergen sich einige namhafte Darsteller wie beispielsweise Willem Dafoe, Mark Strong und Ciaran Hinds. Das Drehbuch schrieb Michael Chabon, den ich besonders wegen seines Romans "The Amazing Adventures of Kavalier & Clay" schätze.

Um das Herz einer Prinzessin zu erobern - und vielleicht auch ein Königreich zu gewinnen - reichte es früher aus, drei Fragen zu beantworten, einen Bogen zu spannen und einen Drachen zu besiegen. Heute ist es so nicht mehr möglich. Da muss man schon eine Mange aufbieten. Wie hier in diesem Film.

Wertung: ärgerlich

Devil Inside

von William Brent Bell - USA 2012 - 87 Min.

Die Tochter einer vom Dämon besessenen Frau, die drei Menschen umgebracht hat, geht in Rom dem Exorzismus nach und findet was sie sucht. Der als "Dokumentation" aufgebauschte Film spottet jeder Beschreibung, ist einfach "lächerlich" und ärgerlich. Eine Schande für das Genre. Zum Teufel mit diesem Film.

Wertung: sollte man gesehen haben

Gefährten

von Steven Spielberg - USA 2011 - 140 Min.

Spielbergs Filme sind immer schon Abenteuer-Kinderfilme für Erwachsene gewesen. Also kurz gesagt: Kino! Auch aus einer kleinen Geschichte kann er einen großen Film machen. Hier geht es um die (nicht ganz so ungewöhnliche) Freundschaft zwischen einem Jugendlichen und einem Pferd, das er zähmt und trainiert hat. Als die beiden durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges getrennt werden, folgt die Handlung der gefährlichen Reise des Pferdes auf seinem Weg durch den Krieg und zeigt, wie es die Leben zahlreicher Menschen inspiriert und verändert, denen es unterwegs begegnet -britischer Kavallerie, deutscher Soldaten und eines französischen Bauern uns seiner Enkelin - bevor sich das Finale im Niemandsland zwischen den Fronten und Schützengräben anbahnt.

Soviel sei verraten: Da es sich um einen Spielberg-Film handelt, ist mit Sicherheit kein grausames Ende zu erwarten.

"Gefährten" ist auch ein Film über den ersten Weltkrieg. Und daraus lassen sich auch ganz eigene, sehenswerte Geschichten ableiten.

Wertung: kann man sich ansehen

Moneyball - Die Kunst zu gewinnen

von Bennett Miller - USA 2011 - 133 Min.

US-Filme über Baseball haben es in Deutschland nicht leicht. Es gibt vergleichsweise wenige Fans und/oder Regelkundige. So richtig kommt da für uns keine Spannung auf. Es sei denn, es geht um besonders spektakuläre Karrieren oder Intrigen.

Hier bleibt es im sportlichen Rahmen. Brad Pitt spielt einen Team-Manager, der nicht ausreichend vorhandenes Kapital für zugkräftige Spieler durch Ideen ausgleicht, die ihm ein cleverer Wirtschaftswissenschaftler durch Computer-Statistiken und -Analysen liefert. Das ist so, als würde man bei uns einen Film über Rainer Calmut und Bayer Leverkusen ins Kino bringen wollen; ggf. mit Dirk Bach in der Hauptrolle.

Vielleicht gewinnt der Film durch die Präsenz von Brat Pitt neue Fans für den Sport. Dazu muss aber ein Regelbuch her, denn diese Insider-Kenntnisse sind die Voraussetzungen zum Verständnis des "Spiels hinter den Kulissen".

(P.S. Der Autor dieser Zeilen outet sich als Fan der WHITE SOX aus Chicago).

Wertung: kann man sich ansehen

Ein riskanter Plan

von Asger Leth - USA 2011 - 100 Min.

Wieder einmal geht es um den genialen, atemberaubenden Plan, mit List und möglichst wenig Gewalt den GROSSEN COUP zu landen. Alle wollen den 30 Millionen Dollar schweren Diamanten haben und tricksen sich dabei gegenseitig aus. In diesem Film wird so haarscharf über die Bande gespielt, dass sie (die Haare) sich dabei sträuben. Das Tempo ist so schnell, dass dabei die Logik auf der Strecke bleibt. Aber unterhaltsam ist es allemal.

Wertung: kann man sich ansehen

Black Gold

von Jean-Jacques Annaud - Tunesien 2011 - 130 Min.

Ein Film über die Gründungsphase der Ölscheichtümer - Die Geschichte der arabischen Stämme und ihrer Fürsten. Was sie waren und wie sie wurden.

Die Handlung führt zurück in die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts - in eine Zeit, in der im Nahen Osten der Machtkampf um das Schwarze Gold begann. Im Mittelpunkt das Schicksal eines jungen Prinzen, der zwischen zwei Vätern und zwei Frauen hin- und hergerissen wird, als in einem Wüstengebiet, das als neutrale Zone zwischen verfeindeten Stämmen diente, Erdöl entdeckt wurde und die Amerikaner aus Texas sich dort breit machen.

Das alles hat viele Schauwerte und einige Darsteller von Format. EIne Geschichtsstunde mit bunten Bildern, charismatischen Charakteren und (leider wenigen) wunderschönen Frauen.

Wertung: kann man sich ansehen

Underworld Awakening

von Marlind/Stein - USA 2012 - 88 Min.

Kate Beckinsale als "Vampir-Mutter einer Vierzehnjährigen, die halb Vampir und halb Lykaner ist. Der vermeindliche Vater ist ein Werwolf. Die größten Feinde der Vampire sind diesmal die Menschen. Sie erschaffen riesige Lykaner, mit denen sie den Vampiren einen erbarmungslosen Krieg erklären.

Die Schlachtplatte ist angerichtet! Ein genresicherer Film in 3D. Das Blut spritzt bis zur Mitte des Saales.

Wertung: hervorragend

The Artist

von Michel Hazanavicius F 2011 - 100 Min.

Der Übergang bzw. Einschnitt von Stumm- zum Tonfilm ist ein im Genre "Film im Film" seit Jahrzehnten beliebtes und bewährtes Sujet. "Singin' in the Rain" von Stanley Donen (USA 1952) beispielsweise gehört zu den Klassikern der Filmgeschichte.

Hier in diesem Film kreuzen sich die Karrieren zwischen einem Superstar und Heldendarsteller der 20er Jahre (Douglas Fairbanks nachempfunden) und einer jungen Statistin auf dem Wege zum Tonfilm-Star. Das klingt zunächst nicht besonders originell, doch dieser Film präsentiert sich in einer atemberaubenden (neuartigen) 3-D Version:

als Stummfilm, als Schwarzweiss-Film und im klassischen Kinoformat.

Ein Film über Ehrgeiz und stolz, Ruhm und Angst, über Niedergang und Wahnsinn. Eine einmalige Liebeserklärung an die Magie und Größe des Kinos, die sich niemand entgehen lassen darf !!!

Wertung: sollte man gesehen haben

Drive

von Nicolas Winding Refn - USA 2011 - 101 Min,

Driver, ein einzelgängerischer, wortkarger Stuntman, verliebt sich in seine neue Nachbarin, deren Mann im Knast sitzt. Nach dessen Entlassung gerät Driver in den Sog krimineller Actionen....

Ein entschleunigter Großstadtthriller über rasante Stunts und waghalsige Unternehmungen. Eine überdurchschnittliche Leistung des coolen Ryan Gosling in einer lakonischen Inszenierung von Nicolas Winding Refn. "Driver" ist perfektes Genrekino mit einer Story, die in den Siebzigerjahren von Sam Peckinpah mit Steve McQueen verfilmt worden wäre - was durchaus als Kompliment für Ryan Gosling und den Regisseur zu verstehen ist.

Wertung: sollte man gesehen haben

Chinese zum Mitnehmen

von Sebastián Borenzstein - Argentinien 2011 - 93 Min.

Es gibt immer wieder Filme, die überraschen. Filme, die nicht auf die neueste digitale Entwicklung setzen, sondern emotional anrührende/anregende Stories erzählen. Gelegentlich finden sich auch ausgesprochen schräge Geschichten darunter. Die Skandinavier können das besonders gut. Diesmal ist es ein Film aus Argentinien. Er beginnt damit, dass eine Kuh vom Himmel fällt - ausgerechnet auf ein chinesisches Boot, auf dem ein junger Mann seiner Geliebten ein Verlobungsgeschenk machen möchte. Schnitt. Dann geht es um einen eigenbrötlerischen Ladenbesitzer in Buenos Aires, der eine Vorliebe für kuriose Geschichten hat und eine Sammlung von Zeitungsberichten angelegt hat. Zufällig lernt er einen jungen Chinesen kennen, der kein Wort Spanisch spricht - eine Begegnung, die sein Leben total umkrempelt. Daraus entwickelt sich eine tiefgründige und mitreißende Komödie mit einer kräftigen Portion leisen, schwarzen Humors.

Auf internationaler Ebene wurde dieser Film bereits mit mehreren Preisen und Auszeichnungen bedacht.